Buchempfehlungen 2025: Die 20 besten Bücher laut SPIEGEL-Buchpreis
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Der SPIEGEL, der von Literaturfreunden wegen seiner zwar kontrovers diskutierten, aber dennoch vielbeachteten Bestsellerliste regelmäßig konsultiert wird, vergibt ab Ende November 2025 auch einen eigenen jährlichen Buchpreis. Dabei wird von der SPIEGEL-Jury eine Liste der ihrer Ansicht nach 20 besten Bücher des Jahres präsentiert, die sich dadurch auszeichnen sollen, dass sie einen ganz neuen Blick auf unsere Gegenwart bieten.
Nachfolgend präsentiere ich Ihnen die Liste der vom SPIEGEL empfohlenen 20 Bücher, die es in die Endauswahl schafften und Ende November 2025 von Platz 1-20 gerankt wurden. Die Beschreibungen stammen dabei nicht vom SPIEGEL, sondern von mir. Als ersten Siegertitel des neuen Buchpreises kürte die Jury den Roman "See der Schöpfung" von Rachel Kushner.
Von Marcel Behling
SPIEGEL-Buchtipps 2025: Die 20 Must-Read-Romane des Jahres
Rachel Kushner: See der Schöpfung
Originaltitel: Creation Lake
Autorin: Rachel Kushner, US-amerikanische Schriftstellerin
Spannungsgeladener Agentenroman, in dem eine FBI-Ermittlerin undercover radikale Umweltaktivisten in Südfrankreich infiltriert und dabei mit radikalen Lebensentwürfen und ihren eigenen Überzeugungen kollidiert.
Die frühere FBI-Ermittlerin Sadie Smith – entschlossen, attraktiv und nicht gerade zimperlich – erhält einen geheimnisvollen Auftrag: In einer abgelegenen Region Südfrankreichs soll sie eine Gruppe radikaler Umweltaktivisten undercover ausspionieren, die im Verdacht steht, für gewaltsame Aktionen verantwortlich zu sein. Anfangs begegnet sie sowohl der abgeschiedenen Provinz als auch den idealistischen Bewohnern der Kommune nur mit Spott.
Doch ihre Einstellung beginnt zu bröckeln, als sie Bruno Lacombe kennenlernt, den geistigen Kopf der Bewegung. Bruno lebt fernab jeglicher moderner Zivilisation, haust in einer urzeitlichen Höhle und ist überzeugt, dass die Menschheit nur dann eine Zukunft hat, wenn sie zu ihren Ursprüngen zurückkehrt. Die Begegnungen mit ihm erschüttern Sadies bisherige Überzeugungen – und sie merkt, dass sie zunehmend von ihm fasziniert ist und die Kontrolle über die Situation verliert.
Der Roman verbindet Agentenspannung mit gesellschaftlichen Fragen, politischem Sprengstoff und einer ungewöhnlichen Auseinandersetzung mit alternativen Lebensentwürfen.
Mit dem SPIEGEL-Buchpreis 2025 ausgezeichnet. Auch die Booker-Prize-Jury zeigte sich beeindruckt und hob besonders hervor, wie der Roman aktuelle politische Themen mit einer düsteren Menschheitsgeschichte verknüpft und damit eine außergewöhnlich fesselnde Lektüre schafft.
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Szczepan Twardoch: Die Nulllinie - Roman aus dem Krieg
Autor: Szczepan Twardoch, schlesischer Schriftsteller
Intensiver Antikriegsroman über einen Freiwilligen an der ukrainischen Front, der die brutale Realität des Donbass erlebt und dabei um Sinn, Menschlichkeit und Überleben ringt.
Szczepan Twardoch gehört zu den wenigen westlichen Schriftstellern, die den Krieg in der Ukraine aus nächster Nähe erlebt haben. Mehrfach begleitete er Soldaten an die Front, transportierte Hilfsgüter und erlebte Situationen, die ebenso gefährlich wie prägend waren. Aus diesen Eindrücken hat er einen Roman geschaffen, der an die Intensität klassischer Antikriegsliteratur erinnert.
Im Mittelpunkt steht Koń, der sich freiwillig den ukrainischen Streitkräften anschließt. Was ihn erwartet, ist ein drastischer Gegensatz: das wohlhabende Kyjiw einerseits, die zerstörten Gebiete des Donbass andererseits. Rasch erkennt er, wie weit die offiziell verbreiteten Bilder von der Realität entfernt sind – geprägt von Überforderung, Korruption und Gleichgültigkeit. An der sogenannten Nulllinie, einem fast vom Rest der Welt abgeschnittenen Frontabschnitt, versucht Koń gemeinsam mit seinen Kameraden, inmitten von Drohnenangriffen, Verletzten und allgegenwärtigem Tod einen Rest Sinn zu finden.
In diesem Niemandsland verändern sich Werte: Kameradschaft wird überlebenswichtig, Mut erhält eine neue Bedeutung, und anstelle rationaler Erklärungen treten Instinkt und Erfahrung. Manche der Soldaten sind aus Überzeugung dort, andere hatten nie vor, zu kämpfen. Starlink ist oft die einzige Verbindung zur Welt außerhalb des Krieges. Koń erinnert sich an seinen Großvater, der einst im Zweiten Weltkrieg kämpfte, und sucht in der Beziehung zu seiner Geliebten Zuja einen Zufluchtsort vor der Verzweiflung – wohl wissend, dass dieser Krieg ihn nicht mehr loslassen wird.
Twardoch nimmt den Leser mit in einen der zentralen Konflikte unserer Zeit und erzählt mit großer Wucht und Eindringlichkeit vom Überleben im Ausnahmezustand. Entstanden ist ein Roman, der Gewalt, Freiheit, Angst und Menschlichkeit in all ihren Facetten reflektiert – und zeigt, wie tief der Krieg in das 21. Jahrhundert hineingreift.
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Irene Solà: Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis
Originaltitel: Et vaig donar ulls i vas mirar les tenebres
Autorin: Irene Solà, katalanische Schriftstellerin und Lyrikerin
Magisch-realistischer Roman über ein Pyrenäen-Bauernhaus, in dem sich Generationen von Frauen zu einem geheimnisvollen Ritual zwischen Erinnerung, Legende und Schwesternschaft versammeln.
In einem abgelegenen Bauernhaus in den Pyrenäen versammeln sich an einem besonderen Tag alle Frauen, die dort je gelebt haben – geboren wurden oder gestorben sind. Sie feiern das Leben und gedenken der alten Bernadeta, deren Todestag Anlass für ein außergewöhnliches Ritual ist. Auf dem Herd brutzelt ein Zicklein, draußen heulen Wölfe, und dunkle Mächte scheinen in der Nähe zu lauern. Ein alter Schwur durchzieht die Gemeinschaft: Kein Mann wird je wieder dieses Haus betreten.
Irene Solà webt in ihrem Roman Legenden aus den Pyrenäen, Erinnerungen an den Bürgerkrieg und katalanische Märchen zu einem wilden, sinnlichen und manchmal unheimlichen Fest der Schwesternschaft – ein Totentanz voller Magie, Witz und geheimnisvoller Kraft.
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Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Autorin: Dorothee Elmiger, Schweizer Schriftstellerin und Übersetzerin
Existenzieller Roman über eine Schriftstellerin, die in den Tropen an einem Theaterprojekt teilnimmt und dabei den Abgründen menschlicher Erfahrung begegnet.
Eine Schriftstellerin wird plötzlich von einem bekannten Theaterregisseur kontaktiert, der sie für ein ungewöhnliches Projekt gewinnen will: ein Theaterstück in den Tropen, das auf wahren Ereignissen basiert. Fasziniert und zugleich verunsichert begibt sie sich auf eine Reise in den Dschungel, um sich der Gruppe anzuschließen und das Stück in der Natur zu erarbeiten.
Dort begegnet sie nicht nur den anderen Teilnehmern, sondern auch den unvorhersehbaren Herausforderungen der Wildnis und den Abgründen menschlichen Verhaltens. Elmiger erzählt von Furcht, Gewalt und der Unsicherheit des Daseins, zugleich von der Schwierigkeit, Erlebtes in Worte zu fassen. Die Reise wird zu einer existenziellen Erfahrung, die sowohl die Protagonistin als auch den Leser in die Tiefen der menschlichen Existenz führt.
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Mieko Kawakami: Das gelbe Haus
Originaltitel: Kiiroi ie
Autorin: Mieko Kawakami, japanische Schriftstellerin und Sängerin
Berührender Coming-of-Age-Roman über eine junge Frau im krisengeplagten Japan, die in einer Wahlfamilie Halt findet und zugleich in die gefährliche Schattenwelt der Kriminalität abzurutschen droht.
Hana ist siebzehn und wünscht sich nichts sehnlicher, als ihrer Mutter ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch in Japan kurz vor der Jahrtausendwende steckt die Wirtschaft in der Krise, und Chancen scheinen rar. Als Kimiko, eine ältere junge Frau, Hana unter ihre Fittiche nimmt, findet sie erstmals das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören. Sie wird Teil einer ungewöhnlichen Wahlfamilie – einer Gruppe junger Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben und zusammenhalten. Gemeinsam betreiben sie eine kleine Bar, und Hana erlebt zum ersten Mal in ihrem Leben Momente von Freiheit und Geborgenheit.
Doch das Geld wird knapp, und legale Wege, um über die Runden zu kommen, scheinen verschlossen. Langsam gerät Hana in die Schattenwelt der Kriminalität, aus der es kaum ein Entkommen gibt.
Mieko Kawakami erzählt in diesem Roman eindringlich von den Bindungen, die Menschen bewusst eingehen, von den Hoffnungen, die Gemeinschaft stiften kann, und von der Fragilität der eigenen Entscheidungen. Zugleich beleuchtet sie, wie eng menschliche Würde und die Möglichkeiten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, miteinander verknüpft sind.
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Constance Debré: Play Boy
Autorin: Constance Debré, französische Anwältin und Schriftstellerin
Autobiografisch geprägter Roman über eine Frau, die ihre Sexualität entdeckt, gesellschaftliche Zwänge hinter sich lässt und ihr Leben radikal neu gestaltet.
Eine Frau, die jahrzehntelang in einer festen heterosexuellen Ehe gelebt hat, entdeckt plötzlich eine Seite an sich, die sie lange nicht wahrhaben wollte. Der erste Kuss mit einer Frau verunsichert sie noch – doch Schritt für Schritt öffnet sich für sie ein völlig neues Leben. Sie verlässt ihren Ehemann, verabschiedet sich von der vertrauten Ordnung eines Familienalltags und trennt sich symbolisch wie real von den Dingen, die sie all die Jahre definiert haben.
Während sie sich neu orientiert, begegnet sie Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jede dieser Beziehungen zwingt sie, über ihre Vorstellungen von Nähe, Begehren und Liebe nachzudenken. Zugleich blickt sie mit neuer Klarheit auf ihr eigenes Heranwachsen zurück – auf eine Kindheit zwischen privilegiertem Umfeld und dem Schmerz einer zerbrochenen Elternwelt, auf ihren Beruf als Strafverteidigerin und die Muster ihrer früheren Ehe.
In diesem Prozess findet sie etwas Fundamentales: eine neue Beziehung zu ihrem eigenen Körper. Er wird für sie zu einem Ort der Freiheit, der Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Erwartungen und zu einer Quelle intensiver Empfindungen.
Constance Debré erzählt diese Selbstbefreiung mit kompromissloser Offenheit – ein Roman über Begehren, Identität, soziale Zwänge und den Mut, das eigene Leben radikal neu zu denken.
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Feridun Zaimoglu: Sohn ohne Vater
Autor: Feridun Zaimoglu, deutscher Schriftsteller und bildender Künstler
Bewegender Roman über die Reise eines Mannes nach dem Tod seines Vaters, der Abschied, Erinnerungen und familiäre Bindungen reflektiert.
Der Roman erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach dem Tod seines Vaters eine lange, emotional aufgeladene Reise antritt. Ein früher Anruf der Mutter reißt ihn aus dem Alltag: Der Vater ist gestorben. Der Sohn fühlt sich wie gelähmt, gefangen in einem Schmerz, den niemand für ihn tragen kann. Allmählich begreift er, dass er dorthin zurückkehren muss, wo alles seinen Anfang nahm – in die Türkei, zu seiner Mutter und zum Grab des Vaters, dem er ein letztes Mal begegnen will.
Da er große Angst vor dem Fliegen hat, bittet er zwei Freunde, ihn mit ihrem Wohnmobil auf dem Landweg mitzunehmen. So entsteht eine Reiseroute quer über den Kontinent: von Norddeutschland über Österreich und Ungarn bis nach Westanatolien – mehr als fünftausend Kilometer voller Gespräche und Erinnerungsblitze. Auf dem Weg tauchen immer wieder Bilder des Vaters auf: der harte Arbeiter, der geschickte Erzähler, der Ehemann, der Mann mit den kleinen Eigenheiten, die ein ganzes Umfeld zum Schmunzeln oder Kopfschütteln brachten.
Feridun Zaimoglu widmet sich in diesem Roman der Frage, wie wir Menschen, die uns prägen, eigentlich im Gedächtnis behalten. Er zeigt, wie vertraut und gleichzeitig rätselhaft Familienangehörige sein können – und wie schwer es fällt, Abschied zu nehmen, selbst wenn der Moment unausweichlich geworden ist.
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025.
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Yasmina Reza: Die Rückseite des Lebens
Originaltitel: Récits de certains faits
Autorin: Yasmina Reza, französische Schriftstellerin
Präzise erzählter Roman, der die zerbrechlichen, oft absurden und tragischen Momente des menschlichen Alltags und der Gerichtssäle beleuchtet.
Yasmina Reza widmet sich in diesem Band jenen Augenblicken, in denen das Leben plötzlich aus der Spur gerät. Seit langer Zeit verfolgt sie Gerichtsverhandlungen und sammelt dort Geschichten, die gleichermaßen erschüttern wie faszinieren: Fälle, in denen Menschen Entscheidungen treffen, die ihre Existenz unwiderruflich ins Dunkel ziehen, und Situationen, in denen Täter und Opfer in seltsamen, kaum erklärbaren Verstrickungen miteinander verbunden bleiben.
Mit ihrem typisch knappen, präzisen Stil richtet Reza den Blick nicht auf juristische Kategorien, sondern auf die Abgründe und Zerbrechlichkeiten, die im Alltag oft unsichtbar bleiben. Neben den Szenen aus den Gerichtssälen fließen auch Begegnungen aus ihrem persönlichen Umfeld ein – Episoden aus Freundschaften, aus Familienmomenten, aus Situationen, in denen sich das Vertraute unmerklich verschiebt.
So entsteht ein Buch, das das Menschliche in all seiner Widersprüchlichkeit zeigt: tragisch, absurd, berührend und manchmal überraschend hell. Reza hält ihre Figuren nie auf Abstand, sondern nähert sich ihnen mit einer Mischung aus Schärfe, Mitgefühl und leisem Humor – und schafft damit ein Werk, das die fragile Rückseite des Lebens sichtbar macht.
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Leif Randt: Let’s talk about feelings
Autor: Leif Randt, deutscher Schriftsteller
Feinfühliger Roman über Trauer, Selbstfindung und Neubeginn eines Mannes in Westberlin zwischen Verlust, Reisen und neuen Begegnungen.
Leif Randt erzählt in seinem neuen Roman mit viel Leichtigkeit und einem scharfen Blick für Zwischentöne von einem Mann, der mitten im Leben steht und dennoch neu anfangen muss.
Marian Flanders, Anfang vierzig, führt in Westberlin eine kleine Modeboutique, deren Stil er über alles liebt – auch wenn der Laden selten Gewinn abwirft. Als seine Mutter Carolina, einst ein gefeiertes Model, nach schwerer Krankheit stirbt, verabschiedet er sich auf sehr persönliche Weise von ihr: Er organisiert eine unkonventionelle Gedenkfeier, hält eine ungewöhnlich offene Rede und verstreut ihre Asche auf dem Wannsee. Für Marian fühlt sich dieser Moment zunächst an, als beginne nun ein weniger hoffnungsvoller Abschnitt seines Lebens.
Doch entgegen seiner Erwartung wird das kommende Jahr zu einer Zeit des Wandels. Neue Begegnungen, die Nähe zu seinen erfolgreichen Halbgeschwistern und verschiedene Reisen – von Sapporo über Neu-Delhi bis Wolfsburg – bringen ihn dazu, sein Selbstbild zu überdenken. Kleine Gesten, zaghaft begonnene Romanzen und irritierende, aber befreiende Erfahrungen helfen ihm, sich aus alten Mustern zu lösen.
Was zunächst wie ein Abschied aussieht, entwickelt sich zu einer stillen Wiederentdeckung von Lebensfreude. Aus seiner höflichen Zurückhaltung entsteht ein wärmerer Trotz, aus dem Schatten der Trauer eine leise, aber beständige Zuversicht. Randt zeichnet so ein modernes Coming-of-Middle-Age – ein Roman über Gefühle, Verlust, Neubeginn und den Mut, sich selbst neu zu begegnen.
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Thomas Melle: Haus zur Sonne
Autor: Thomas Melle, deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer
Eindringlicher Roman über Menschen in einer Einrichtung am Rande des Lebens, die zwischen Wunsch, Sinnsuche und Abschied ihre Existenz reflektieren.
Thomas Melle widmet sich in diesem Roman erneut den Bruchlinien eines Lebens, das von psychischen Extremen geprägt ist. Nachdem er in "Die Welt im Rücken" seine bipolare Störung eindrucksvoll literarisiert hat, wendet er sich nun einer fiktiven Welt zu, die dennoch unüberhörbar von autobiografischen Erfahrungen durchzogen ist.
Im Zentrum steht eine Frage, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt: Wie viel Kontrolle bleibt einem Menschen, wenn seine Psyche ihm immer wieder die Zügel aus der Hand nimmt? Und was bedeutet Glück für jemanden, der glaubt, nichts mehr erwarten zu dürfen?
Der Roman führt in das "Haus zur Sonne", eine staatlich finanzierte Einrichtung, die an einem paradoxen Ort zwischen Wunschtraum und Abgrund existiert. Menschen, die den Lebenswillen verloren haben oder unheilbar erkrankt sind, kommen dorthin, um sich noch einmal jeden Wunsch erfüllen zu lassen – in der Gewissheit, dass ihr Aufenthalt mit einem stillen, organisierten Abschied endet. Doch je länger man diesen Ort betrachtet, desto deutlicher stellt sich die Frage: Sucht man hier wirklich den Tod – oder sucht man verzweifelt nach einem letzten Funken Sinn?
Melle entfaltet eine schonungslose literarische Untersuchung darüber, was den Menschen antreibt, was ihn müde macht und was ihn im Innersten zusammenhält. Es entsteht ein Bild der menschlichen Existenz, das gleichermaßen verstörend, bewegend und auf merkwürdige Weise tröstlich ist.
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Benjamin Wood: Der Krabbenfischer
Originaltitel: Seascraper
Autor: Benjamin Wood, britischer Schriftsteller
Berührender Coming-of-Age-Roman über einen jungen Krabbenfischer in den 1960er-Jahren, der zwischen harter Küstenarbeit, erster Liebe und der Sehnsucht nach einer größeren Welt seinen Weg sucht.
In den 1960er-Jahren wächst der junge Thomas Flett im englischen Küstenort Longferry auf. Er ist kaum über zwanzig, lebt mit seiner Mutter in prekären Verhältnissen und kennt seinen Vater nur dem Namen nach. Die Schule hat er hinter sich gelassen; stattdessen geht er dem nach, was sein Großvater ihm beigebracht hat: Er zieht früh am Morgen los, wenn das Wasser zurückgeht, um Krabben zu fangen. Es ist ein hartes, entbehrungsreiches Leben, geprägt vom Rhythmus der Gezeiten und vom täglichen Kampf ums Auskommen.
Trotzdem bewahrt Thomas sich kleine Fluchten: heimliche Übungen an der Gitarre und die stille Zuneigung zu Joan, der Schwester seines besten Freundes – Gefühle, für die in seinem Alltag kein Raum zu sein scheint.
Als ein amerikanischer Filmemacher, Edgar Acheson, zufällig in Longferry auftaucht, gerät Thomas’ Welt aus den Fugen. Der Fremde verkörpert alles, was Thomas in seinem Dorf nie finden wird: Offenheit, Neugier und eine Ahnung davon, wie groß die Welt sein kann. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die Thomas hoffen lässt, dass sein Leben mehr bereithält, als er bisher für möglich hielt. Doch der Eindruck täuscht – Achesons Ankunft ist nur der Beginn einer Veränderung, die Thomas’ Blick auf sich selbst und seine Zukunft nachhaltig erschüttert.
Eines jedoch bleibt unverändert: Wenn der Morgen kommt und das Wasser sinkt, wird Thomas wieder hinausfahren, um dem Meer zu folgen.
Für die Longlist des Booker Prize 2025 nominiert.
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Scholastique Mukasonga: Sister Deborah
Originaltitel: Sister Deborah
Autorin: Scholastique Mukasonga, ruandische Schriftstellerin
Historisch-mystischer Roman über die Suche einer Wissenschaftlerin nach der legendären Missionarin Sister Deborah und die Kraft ihrer Botschaft in Ruanda.
Ruanda in den 1930er-Jahren: Während das Christentum in Ostafrika zunehmend Anhänger findet, verkündet die amerikanische Missionarin Sister Deborah eine provokante Botschaft: Der Messias wird eine schwarze Frau sein. Für ihre Behauptungen wird sie der Hexerei bezichtigt, und bald verschwindet sie auf rätselhafte Weise.
Zwei Jahrzehnte später macht sich Ikirezi, eine brillante Wissenschaftlerin in Washington, auf die Suche nach der verschollenen Missionarin. Sie folgt den Spuren der legendären Frau, taucht tief in die Vergangenheit ein und versucht, deren Geschichte zu rekonstruieren. Doch der Einfluss und die Kraft von Sister Deborah erweisen sich als mächtiger, als Ikirezi erwartet.
Mukasongas Roman verbindet historische Ereignisse mit mystischem Erzählen und lässt die Stimmen zahlloser Menschen wieder hörbar werden – all derer, deren Leben durch Gewalt und Unterdrückung bedroht oder ausgelöscht wurde.
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Seán Hewitt: Öffnet sich der Himmel
Originaltitel: Open, Heaven
Autor: Seán Hewitt, britischer Schriftsteller, Lyriker, Literaturkritiker und Dozent
Poetischer Coming-of-Age-Roman über die erste Liebe, Sehnsüchte und das Erwachsenwerden eines Jugendlichen in Nordengland.
James steht an der Schwelle zum Erwachsensein und träumt von einem Leben jenseits der Grenzen seines kleinen Dorfes Thornmere im Norden Englands. Alles hier scheint unverändert: die täglichen Aufgaben als Milchjunge, die strengen Gottesdienste, die Sorge um seinen kranken kleinen Bruder und das Mobbing durch die Mitschüler. Doch James sehnt sich nach mehr – nach Echtem, Lebendigem, nach einem eigenen Weg, auch wenn er seine Eltern enttäuschen würde.
Im Herbst 2002 begegnet er Luke, einem Jahr älter, charmant und von den eigenen Eltern aufs Land geschickt, um Disziplin zu lernen. In den folgenden Monaten öffnet sich für James eine neue Welt voller ungeahnter Gefühle und Sehnsüchte. Eine leidenschaftliche Anziehungskraft stellt alles auf den Kopf, stellt ihn vor Fragen, die sein weiteres Leben prägen werden: Würde er alles riskieren, um die Liebe zu erfahren?
Seán Hewitt erzählt in poetischer Sprache von den Hoffnungen, Ängsten und Wünschen der Jugend, von der Intensität erster Zuneigung und der schmerzhaften Schönheit des Erwachsenwerdens – ein Roman über Liebe, Begehren und die unauslöschlichen Spuren, die sie hinterlässt.
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Kamel Daoud: Huris
Autor: Kamel Daoud, algerisch-französischer Journalist und Schriftsteller
Eindringlicher Roman über eine Überlebende des algerischen Bürgerkriegs, die ihre traumatische Vergangenheit verarbeitet.
Aube, eine junge Algerierin, trägt die Narben des Bürgerkriegs der 1990er-Jahre – eine davon verläuft um ihren Hals. Bei einem Angriff auf ihr Dorf hatten Islamisten versucht, ihr die Kehle zu durchtrennen, wobei sie ihre Stimmbänder verlor. Doch selbst wenn sie noch sprechen könnte, müsste Aube schweigen, denn Gesetze verbieten, offen an die Grauen der Vergangenheit zu erinnern.
Ihre Wut und ihr Schmerz finden nur in ihrem Inneren Ausdruck – und in den Worten, die sie an die Tochter richtet, die sie heimlich erwartet. Die Schwangerschaft zwingt sie, sich mit ihrer traumatischen Vergangenheit auseinanderzusetzen und über eine Zukunft nachzudenken, die so ungewiss wie gefährlich ist. Darf sie das Leben, das ihr fast genommen wurde, weitergeben? Kann sie ihrem Kind Schutz und Hoffnung schenken, wo selbst sie kaum Sicherheit kennt? Auf der Suche nach Antworten kehrt Aube in ihr Heimatdorf zurück, um die Geister der Vergangenheit zu konfrontieren.
Mit Huris gibt Kamel Daoud den algerischen Frauen eine Stimme und stellt sich gegen das Vergessen des Bürgerkriegs. Ein eindringlicher, poetischer Roman, der politische und persönliche Geschichten auf einzigartige Weise miteinander verbindet.
Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt 2024.
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Natasha Brown: Von allgemeiner Gültigkeit
Originaltitel: Universality
Autorin: Natasha Brown, britische Schriftstellerin
Kluger Roman über eine Journalistin, die Mechanismen der Macht, Wahrheit und Gesellschaft in Großbritannien aufdeckt.
Auf einer abgelegenen Farm in Yorkshire wird ein Mann mit einem Goldbarren brutal angegriffen. Für die junge Journalistin Hannah aus London ist der Fall nicht nur irgendeine Story – er ist ihre letzte Chance, ihre Karriere zu retten und dem Abstieg in berufliche Bedeutungslosigkeit und Provinz zu entgehen. Mit äußerstem Einsatz recherchiert sie und deckt Verbindungen zwischen dem Angriff, einem moralisch fragwürdigen Investmentbanker, einer umstrittenen Kolumnistin und einer radikalen anarchistischen Gruppe auf.
Ihr Artikel schlägt ein wie eine Bombe: Millionen nehmen die Geschichte wahr, sie katapultiert Hannah zurück ins Gespräch – bei Kollegen, Freunden und sogar bei einer Netflix-Produktion. Doch der Erfolg bringt auch größere Fragen mit sich: Was ist noch von allgemeiner Gültigkeit in einem Land, das innerlich zerbrochen scheint?
In ihrem neuen Roman seziert Natasha Brown die Mechanismen von Macht, Wahrheit und Sprache. Mit scharfem Blick und großer literarischer Präzision zeigt sie, wie Worte beeinflussen, täuschen und verbinden können. Heraus entsteht ein kluges, sprachlich brillantes Porträt einer Gesellschaft am Abgrund, und zwar gnadenlos und tiefgründig.
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Sebastian Haffner: Abschied
Autor: Sebastian Haffner, deutsch-britischer Journalist, Publizist, Schriftsteller und Zeitgeschichtler
Poetischer Roman über eine flüchtige Liebesbegegnung in Paris der 1930er-Jahre vor dem Hintergrund drohender historischer Umbrüche.
Raimund reist Anfang der 1930er-Jahre aus dem bedrückenden Deutschland nach Paris, um ein paar Tage der Freiheit zu genießen. Dort begegnet er Teddy, einer faszinierenden jungen Frau voller Lebenslust, die bereits in die Stadt der Möglichkeiten ausgewandert ist. Für Raimund ist es Liebe auf den ersten Blick – intensiv, überwältigend und zugleich mit dem Wissen belastet, dass der Abschied bevorsteht.
Inmitten der eleganten Gesellschaft von Paris, umgeben von charmanten Verehrern, muss Raimund sich behaupten und jeden Moment mit Teddy auskosten, als könnte er die Zeit anhalten. Er sehnt sich danach, die flüchtige Freiheit und das Glück, das er dort findet, festzuhalten – bevor die Realität und die drohenden Umbrüche Europas ihn einholen.
Sebastian Haffners 1932 entstandener Roman, der nie veröffentlicht wurde, verbindet Leichtigkeit, Witz und ein feines Gespür für Lebensfreude. Abschied erzählt von Liebe, Sehnsucht und der Zerbrechlichkeit der Freiheit – ein literarisches Kleinod, das heute umso berührender wirkt. Eine nun wiederentdeckte Perle aus dem Nachlass von Sebastian Haffner.
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Pierre Jarawan: Frau im Mond
Autor: Pierre Jarawan, deutscher Schriftsteller
Tragikomischer Roman, der historische Ereignisse im Libanon mit einer generationsübergreifenden Familiengeschichte von Hoffnung, Verlust und Erinnerung verbindet.
Im Sommer 1966 starten einige Studenten der Lebanese Rocket Society eine Rakete ins All – ein visionärer Versuch, den Libanon in eine hoffnungsvolle Zukunft zu katapultieren. Genau 54 Jahre später erschüttert eine verheerende Explosion im Hafen von Beirut das Land und hinterlässt tiefe Spuren. Pierre Jarawan verknüpft diese beiden dramatischen Ereignisse zu einer weitreichenden Familiengeschichte, die über die Grenzen der Region hinausreicht. In Montréal entdecken die Zwillingsschwestern Lilit und Lina nämlich Hinweise auf das Leben ihrer armenischen Großmutter Anoush...
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Percival Everett: Dr. No
Autor: Percival Everett, US-amerikanischer Schriftsteller und Professor für Englisch
Gesellschaftskritische Satire rund um Macht, Identität und den absurden Racheplan eines milliardenschweren Unternehmers.
Nach seinem internationalen Erfolg "James" legt Percival Everett einen neuen Roman vor – eine bissige Satire über die Absurditäten amerikanischer Machtfantasien und exzentrische Superreiche.
Im Mittelpunkt steht ein Mathematikprofessor der Brown University, der sich ausgerechnet auf das "Nichts" spezialisiert hat. Diese ungewöhnliche Expertise macht ihn interessant für den mächtigen Unternehmer John Sill, einen Schwarzen Milliardär mit einem ungewöhnlichen Racheplan: Er will Zugang zu einem mysteriösen Karton in Fort Knox bekommen, von dem behauptet wird, er enthalte wortwörtlich nichts. Wer dieses "Nichts" beherrscht, so glaubt Sill, könnte die Weltordnung aus den Angeln heben – und damit endlich Vergeltung für die historische Unterdrückung durch mächtige Weiße üben.
Everett verbindet Spionageparodie mit gesellschaftskritischer Satire und spielt virtuos mit Themen wie Identität, Macht und dem Irrwitz politischer Obsessionen.
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Verena Güntner: Medulla
Autorin: Verena Güntner, deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin
Empathischer Roman über drei Frauen in Berlin, die inmitten schwankender Beziehungen und Erwartungen den Mut zu Neubeginn und Selbstbestimmung finden.
Was geschieht, wenn der Drang nach einem Neuanfang stärker ist als jede Angst davor? Wenn der Wunsch, endlich frei und selbstbestimmt zu leben, unüberhörbar wird?
In einem drückend heißen Berliner Sommer geraten drei Paare ins Wanken. Beziehungen lösen sich auf, vertraute Muster kippen, Lebenswege driften auseinander. Im Mittelpunkt stehen die drei schwangeren Frauen Siv, Leyla und Esther. Jede von ihnen spürt, dass ihr bisheriges Leben zu eng geworden ist – und jede entscheidet sich, mutig auszubrechen und sich von Erwartungen zu lösen, die sie nicht länger tragen wollen.
Verena Güntner entwirft mit viel Feingefühl und zugleich großer Kraft drei Porträts weiblicher Selbstbehauptung. Ihr Roman erzählt von zerfallenden Partnerschaften, solidarischen weiblichen Bindungen und dem Mut, inmitten aller Unsicherheit einen neuen Anfang zu wagen.
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Jonas Lüscher: Verzauberte Vorbestimmung
Autor: Jonas Lüscher, schweizerisch-deutscher Schriftsteller und Essayist
Vielschichtiger Roman über menschliche Hoffnungen, Ängste und Konflikte im Kapitalismus sowie den Einfluss von Technik und Maschinen auf die Gesellschaft.
Jonas Lüschers neuer Roman blickt auf eine Gegenwart, die verzweifelt versucht, ihre Zukunft zu begreifen. Er führt Leserinnen und Leser an sehr unterschiedliche Schauplätze und Epochen: Ein algerischer Soldat erlebt den ersten Einsatz von Giftgas durch deutsche Truppen und kommt zu dem Entschluss, dass jemand dieses Töten beenden muss – also steht er auf und geht einfach davon. In einem futuristischen Kairo beobachtet eine Komikerin, wie eine Androidin über ihre Pointen lacht. Und in Böhmen verliert ein Weber seine Arbeit an eine Maschine, greift nach einem Hammer und stellt sich dem technischen Fortschritt mit bloßer Wut entgegen.
Der Roman kreist um eine zentrale Frage: Welche Hoffnungen und Ängste treiben Menschen im Kapitalismus an – und welche Wünsche formen Maschinen, die zunehmend selbst handeln und reagieren? Lüscher entfaltet ein erzählerisches Experimentierfeld, in dem Konflikte nie endgültig gelöst scheinen und in dem jede Episode eine neue Perspektive eröffnet. Mit Witz, Schärfe und einem Hang zum Absurden zeigt er sich hier erneut als brillanter Beobachter unserer Zeit.
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F.A.Q. - Häufige Fragen rund um den SPIEGEL-Buchpreis
Hier finden Sie Antworten auf Fragen, die sich Leser zur neuen SPIEGEL-Bücherliste stellen.
Zur Jury, die zuvor die Titel für die Shortlist der 20 lesenswertesten Bücher 2025 nominiert und anschließend den Buchpreis-Sieger gekürt hatte, gehörten:
Eva Horn (Germanistin und Literaturkritikerin)
Eva Horn, 1965 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 2009 Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Wien und eine der einflussreichsten Germanistinnen ihrer Generation. Ihre Arbeiten verbinden Literaturgeschichte mit kultur- und wissensgeschichtlichen Fragestellungen auf höchstem theoretischen Niveau, ohne je den Text aus dem Blick zu verlieren. Sie hat gezeigt, wie Literatur politische Imaginationen, Geheimhaltungsstrukturen und Zukunftsvorstellungen erst erzeugt – etwa in den Büchern "Der geheime Krieg" (2007) und "Zukunft als Katastrophe2 (2014). In den letzten Jahren hat sie das Fach entscheidend für das Anthropozän und die Klimakrise geöffnet, etwa mit Klima. Eine Wahrnehmungsgeschichte (2024). Ihre Analysen sind präzise, interdisziplinär und stilistisch brillant klar. Sie liest Literatur als Seismograf gesellschaftlicher Umbrüche und als Ort, an dem neue Denkmodelle entstehen. 2025 gehörte sie der Jury des ersten SPIEGEL-Buchpreises an und brachte dort ihre Expertise für politische und ökologische Narrative ein. Sie war Gastprofessorin in Yale, Princeton und Paris und leitet das "Vienna Anthropocene Network". Ihre Bücher werden international rezipiert und ins Englische, Französische und Chinesische übersetzt. Kurz: Eva Horn steht für eine Literaturwissenschaft, die theoretisch scharf, gesellschaftlich relevant und zugleich ästhetisch sensibel ist – und damit unverzichtbar für das Verständnis unserer Gegenwart.Juliane Liebert (Schriftstellerin und Kritikerin)
Juliane Liebert, geboren 1989 in Halle (Saale), ist eine der markantesten und energiegeladensten Stimmen der jungen deutschsprachigen Literatur. Nach ihrem Studium an der Universität der Künste Berlin und ersten Jahren bei VICE arbeitet sie als freie Autorin und Kritikerin für "Süddeutsche Zeitung", "Die Zeit" und "DER SPIEGEL". Ihr Werk umfasst Lyrik, Prosa und Essays, die durch popkulturellen Drive, rohe Direktheit und ein untrügliches Rhythmusgefühl auffallen. Ihr Suhrkamp-Debüt "Lieder an das große Nichts" (2021) und der 2024 erschienene Band "mörderballaden" wurden als kraftvoll, metaphorisch dicht und verstörend schön gefeiert. Liebert scheut weder große existenzielle Fragen noch gesellschaftliche Tabus; ihre Texte sind laut, witzig und oft gnadenlos ehrlich. Als Kritikerin bringt sie denselben Sound ein: pointiert, unkonventionell und mit einem Gespür für das, was die Gegenwart wirklich bewegt. 2025 gehörte sie der Jury des ersten SPIEGEL-Buchpreises an und vertrat dort die Perspektive einer schreibenden Generation, die zwischen Pop und Hochliteratur keine Grenze mehr kennt. Sie moderiert regelmäßig Lesungen und Diskussionen und gilt als eine der engagiertesten Brückenbauerinnen zwischen Subkultur und Literaturbetrieb. Kritiker loben einhellig ihren "eigenen Sound" und ihre Fähigkeit, Sprache wie einen Beat zu setzen. Kurz: Juliane Liebert steht für eine Literatur, die pulsiert, provoziert und dabei immer tanzbar bleibt.Nora Zukker (Literaturkritikerin)
Nora Zukker, geboren 1986, ist eine der prägendsten Literaturkritikerinnen der jüngeren Generation im deutschsprachigen Raum. Nach einem Studium der Populären Kulturen und der Neueren Deutschen Literatur in Zürich arbeitet sie seit 2021 als Leiterin der Literaturredaktion der Tamedia-Zeitungen ("Tages-Anzeiger", "Der Bund", "Basler Zeitung" u. a.). Ihre Kritiken und Essays erscheinen regelmäßig in der "NZZ", im "Deutschlandfunk" und früher bei "SRF", wo sie mit der Rubrik "Lesezunder" ein breites Publikum erreichte. 2023 wurde sie zur "Kulturjournalistin des Jahres" der Schweiz gewählt. Zukker liest und bewertet vor allem Gegenwartsliteratur, wobei sie ebenso souverän mit großen Verlagshäusern wie mit unabhängigen Verlagen umgeht. Sie verbindet präzise Textanalyse mit einem Gespür für gesellschaftliche und popkulturelle Zusammenhänge, ohne sich in akademischer Theorie zu verlieren. Ihre Rezensionen sind klar, pointiert und oft überraschend persönlich, was sie von vielen Kolleginnen und Kollegen unterscheidet. Sie moderiert regelmäßig Literaturveranstaltungen und sitzt in Jurys unabhängiger Preise (Hotlist, Ingeborg-Bachmann-Preis-Vorbereitung). Kurz: Nora Zukker steht für eine Literaturkritik, die fachlich fundiert, zeitgemäß und publikumsnah zugleich ist.Miryam Schellbach (Programmleiterin des Claassen-Verlags und Kritikerin)
Miryam Schellbach, geboren 1988 in Hannover, gehört zu den einflussreichsten und meinungsstärksten Figuren der jungen deutschsprachigen Literaturszene. Nach ihrem Germanistik- und Französistik-Studium in Leipzig und Lyon schrieb sie jahrelang hochbeachtete Kritiken für "FAZ", "Süddeutsche Zeitung" und "Die Zeit", wo sie unter anderem die Kolumne "Was lesen Sie?" betreute. Seit Oktober 2022 ist sie Programmleiterin des traditionsreichen "Claassen-Verlags" (Ullstein) und verantwortet dort ein Belletristik-Programm, das sich durch mutige, gesellschaftlich relevante Stimmen auszeichnet. Sie entdeckt und fördert sowohl deutschsprachige als auch internationale Autor:innen und legt Wert auf sprachliche Präzision und inhaltliche Dringlichkeit. Ihre Kritiken sind klar, pointiert und oft unbequem, weil sie nicht nur Texte, sondern auch Machtverhältnisse im Literaturbetrieb analysiert. 2023 gründete sie mit Fatma Aydemir, Enrico Ippolito und Hengameh Yaghoobifarah das vielbeachtete Magazin Delfi, das neue, diverse Literatur sichtbar macht. Sie war Jurorin u. a. für den Preis der Leipziger Buchmesse, den Heinrich-Mann-Preis und 2025 eben auch für den hier präsentierten, ersten SPIEGEL-Buchpreis. Mit dem von ihr mitherausgegebenen Band "Trotzdem sprechen" (2024) intervenierte sie öffentlich gegen gesellschaftliche Spaltung. Schellbach verbindet profunde Textkenntnis, verlegerische Weitsicht und kritische Haltung – damit prägt sie maßgeblich, welche Gegenwartsliteratur im deutschsprachigen Raum wahrgenommen und diskutiert wird. Kurz: Sie ist Lektorin, Kritikerin und Kuratorin in einer Person und gehört zu den entscheidenden Gatekeepern der aktuellen deutschen Literatur.Elisa von Hof (SPIEGEL-Literaturredakteurin)
Elisa von Hof, geboren 1991, ist seit November 2023 stellvertretende Leiterin des Kulturressorts beim "SPIEGEL" und eine der präzisesten Literaturredakteurinnen ihrer Generation. Nach einem Studium der Deutschen Literatur und Geschichtswissenschaft in Berlin sowie einem zweijährigen Auslandsaufenthalt als Korrespondentin in Washington D.C. kehrte sie 2021 zum "SPIEGEL" zurück. Sie schreibt ebenso souverän über deutschsprachige Gegenwartsliteratur wie über internationale Bestseller und deren gesellschaftliche Wirkung. Ihre Rezensionen und Porträts zeichnen sich durch analytische Schärfe, stilistische Eleganz und einen unverstellten Blick auf Machtverhältnisse in Texten aus. Sie war maßgeblich an der Konzeption und Umsetzung des ersten "SPIEGEL"-Buchpreises 2025 beteiligt und gehörte der siebenköpfigen Jury an. Dort brachte sie nicht nur fachliche Expertise, sondern auch ein Gespür für Übersetzungen und globale Erzählstimmen ein. Von Hof moderiert regelmäßig Literaturveranstaltungen und gilt als Brückenbauerin zwischen Feuilleton und breiterem Publikum. 2022 wurde sie vom "medium magazin" in die Liste "30 unter 30" aufgenommen. Ihre Texte verbinden literaturwissenschaftliche Tiefe mit journalistischer Klarheit, ohne je belehrend zu wirken. Kurz: Elisa von Hof steht für eine Literaturberichterstattung, die anspruchsvoll und zugleich zeitgemäß relevant bleibt.Sebastian Hammelehle (SPIEGEL-Literaturredakteur)
Sebastian Hammelehle, geboren 1976 in Berlin, ist seit fast zwanzig Jahren eine der verlässlichsten und stilistisch elegantesten Stimmen im "SPIEGEL"-Literaturressort. Nach seinem Germanistik-Studium in Berlin und Paris schrieb er zunächst für "taz" und "Berliner Zeitung", bevor er 2005 fest zum "SPIEGEL" wechselte. Er rezensiert mit gleicher Souveränität deutschsprachige Gegenwartsromane, französische Literatur und internationale Bestseller – von Michel Houellebecq bis Donna Tartt. Seine Texte verbinden präzise Textlektüre mit einem feinen Gespür für gesellschaftliche und psychologische Unterströmungen, ohne je akademisch zu wirken. Hammelehle gehört zu den wenigen Kritikern, die auch Unterhaltungsliteratur ernst nehmen und dabei deren handwerkliche Qualität und moralische Implikationen scharf beleuchten. 2025 war er Mitglied der Jury des ersten "SPIEGEL"-Buchpreises und brachte dort seine langjährige Erfahrung mit dem gesamten Spektrum belletristischer Produktion ein. Er moderiert regelmäßig auf der Frankfurter Buchmesse und bei "SPIEGEL"-Veranstaltungen und gilt als einer der besten Kenner des aktuellen Buchmarkts. Seine Rezensionen sind oft maßgeblich dafür, welche Titel in die breitere öffentliche Debatte gelangen. Hammelehle schreibt klar, pointiert und mit einem leisen, aber unverkennbaren Ironieton, der ihn von vielen Kollegen abhebt. Kurz: Er steht für eine Literaturkritik, die tief gräbt, ohne sich im Elfenbeinturm zu verlieren, und die Literatur als Spiegel der Gegenwart ernst nimmt.Xaver von Cranach (SPIEGEL-Literaturredakteur)
Xaver von Cranach ist einer der einfühlsamsten und stilistisch souveränsten Literaturredakteure des "SPIEGEL". Nach Stationen bei "ZEIT Campus", "taz2 und "Die Zeit" gehört er seit vielen Jahren fest zum Hamburger Kulturressort, wo er vor allem für große Autoren-Interviews und Porträts internationaler Stimmen verantwortlich zeichnet. Er hat Annie Ernaux, Emmanuel Carrère, Chimamanda Ngozi Adichie und Michel Houellebecq ebenso intensiv befragt wie junge deutschsprachige Debütanten. Seine Texte leben von einer seltenen Mischung aus Nähe und analytischer Distanz – er lässt Autorinnen sprechen, ohne sie je auszuliefern. Von Cranach hat ein besonderes Gespür für Autofiktion, Trauma-Erzählungen und die Schnittstelle von Literatur und Politik. 2024 wurde er für seine herausragende Kritikerarbeit mit dem Michael-Althen-Preis ausgezeichnet. 2025 gehörte er der Jury des ersten "SPIEGEL"-Buchpreises an und brachte dort seine Erfahrung mit globaler Gegenwartsliteratur ein. Er moderiert regelmäßig auf der Frankfurter Buchmesse und bei Literaturfestivals und gilt als einer der besten Gesprächspartner der Branche. Seine Rezensionen und Essays sind präzise, warmherzig und stilistisch brillant formuliert. Kurz: Xaver von Cranach steht für eine Literaturberichterstattung, die tief versteht, elegant erzählt und internationale Perspektiven selbstverständlich einbezieht.
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