J.D. Robb: "Der kalte Glanz des Todes" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Originaltitel: Golden in Death (Eve Dallas 50)
Autorin: J.D. Robb, US-amerikanische Schriftstellerin
"Der kalte Glanz des Todes" ist ein reifer, atmosphärisch dichter Jubiläumsband der Eve-Dallas-Reihe, der präzise Ermittlungsarbeit mit gesellschaftlicher Schärfe und warmer Charaktertiefe verbindet – ideal für langjährige Fans, die in der Serie nicht nur Spannung, sondern auch emotionale Kontinuität suchen.
Worum geht’s?
Im Zentrum steht die quälende Frage, wie sich scheinbar zufällige, grausame Morde zu einem Muster verdichten, das tiefer in die Gesellschaft reicht, als man zunächst ahnt. Lieutenant Eve Dallas stößt auf einen Fall, in dem der Tod nicht laut und spektakulär zuschlägt, sondern still und präzise – fast wie eine kalte, berechnete Botschaft, die in einem harmlos wirkenden goldenen Ei verborgen liegt.
Ein markantes Detail ist die Szene, in der Eve das erste Tatort-Objekt – ein unscheinbares, golden schimmerndes Ei – vorsichtig in den Händen hält und spürt, wie der Glanz dieses Gegenstands in scharfem Kontrast zur unsichtbaren, tödlichen Gaswolke steht, die daraus entwich. Dieser Moment fängt den Kern ein: Der Tod kommt hier nicht chaotisch, sondern mit einer eisigen, fast ästhetischen Präzision, die Eve zwingt, ihre üblichen Instinkte neu zu justieren.
Warum lesen?
Als langjähriger Beobachter der Reihe merke ich bei diesem Jubiläumsband (es ist der 50. Fall), wie sehr J.D. Robb die Formel der Serie bewusst weiterentwickelt, statt sie nur zu wiederholen. Das Buch löst das Problem der Serienermüdung, indem es den Fokus stärker auf die gesellschaftliche Resonanz der Taten legt – auf die Art, wie ein einzelner Mord Wellen in scheinbar unverbundenen Lebensbereichen auslöst.
Es hinterlässt ein Gefühl leiser Beklemmung: Man wird nicht nur mit dem "Wer hat’s getan?" konfrontiert, sondern auch mit der Frage, wie zerbrechlich das Vertrauen in Institutionen und Mitmenschen eigentlich ist. Der konkrete Mehrwert liegt in der Balance zwischen der vertrauten Eve-Roarke-Dynamik (die hier subtiler und reifer wirkt) und einem Fall, der sich wie ein Kommentar zur heutigen Welt anfühlt – ohne je belehrend zu werden. Robb schreibt mit einer Präzision, die Action und emotionale Tiefe nahtlos verbindet.
Ideal für: Leser, die die Eve-Dallas-Reihe schon länger verfolgen und genau diese Mischung aus hartem Polizeiarbeit, persönlicher Beziehungsentwicklung und clever konstruierten Fällen schätzen. Wer die neueren Bände wie "Der Kuss der schwarzen Witwe" oder internationale Serien wie die von Michael Connelly (Harry Bosch) mochte, wird hier die vertraute Qualität wiederfinden – mit einem Hauch mehr emotionaler Reife.
Eher nichts für: Leser, die Standalone-Thriller ohne Serienhintergrund bevorzugen oder solche, die nur rasante Action ohne längere Dialoge und Beziehungsanteile suchen. Die Romantik- und Privatleben-Elemente sind nämlich integraler Bestandteil und nehmen hier bewusst Raum ein. Auch wer keine wiederkehrenden Figuren mag, könnte sich überfordert fühlen.









