Jens Henrik Jensen: "Oxen - Interregnum" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Originaltitel: Døde sjæle synger ikke
Autor: Jens Henrik Jensen, dänischer Journalist und Krimi-Schriftsteller
"Oxen – Interregnum" ist ein reifer, düsterer Abschlussband einer großen Serie, der Verschwörungsthriller mit tiefem Charakterporträt und politischer Wachsamkeit verbindet – perfekt für Leser, die nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt werden wollen.
Worum geht’s?
In "Oxen – Interregnum" geht es um die quälende Erkenntnis, dass alte Machtstrukturen nie wirklich sterben – sie warten nur auf den richtigen Moment, um zurückzukehren. Der ehemalige Elitesoldat Niels Oxen, gezeichnet von Kriegstrauma und jahrelangen Kämpfen gegen den Geheimbund Danehof, glaubt, endlich Frieden gefunden zu haben. Doch in einem politischen Machtvakuum – dem titelgebenden Interregnum – erwacht die alte Verschwörung neu und zwingt ihn, seine Familie und seine wenigen Verbündeten erneut zu schützen.
Ein prägendes Detail ist die Szene, in der Oxen in der dichten, stillen Waldlandschaft Dänemarks steht und spürt, wie die Vergangenheit ihn wortwörtlich einholt – nicht durch laute Explosionen, sondern durch ein leises, aber unaufhaltsames Netz aus Andeutungen und alten Verbindungen, das sich enger zieht. Dieser Moment macht greifbar, worum es wirklich geht: die Unausweichlichkeit von Macht, die sich im Verborgenen regeneriert.
Warum lesen?
Als jemand, der die gesamte Oxen-Reihe von Anfang an verfolgt hat, fühlt sich „Interregnum“ wie der vielleicht reifste und politisch schärfste Band an. Das Buch löst das Problem vieler langer Serien – die Wiederholung – indem es nicht einfach alte Feinde recycelt, sondern zeigt, wie sich Machtstrukturen anpassen und in neuen Formen überleben.
Jensen schafft es, die innere Zerrissenheit von Oxen – zwischen dem Wunsch nach Rückzug und dem Instinkt, zu kämpfen – so authentisch zu zeichnen, dass man als Leser mitfühlt, wie erschöpfend es ist, nie wirklich loslassen zu können. Das Buch hinterlässt ein Gefühl tiefer Unruhe: Man fragt sich, wie viel von unserer vermeintlich transparenten Demokratie eigentlich noch von unsichtbaren Fäden gesteuert wird. Der konkrete Mehrwert liegt in der Verbindung aus harter Action und leiser, fast philosophischer Reflexion über Trauma, Loyalität und die Kosten des Widerstands – ohne je ins Belehrende abzugleiten.
Ideal für: Leser, die komplexe, charaktergetriebene Spannungsliteratur mit politischem Tiefgang schätzen und die vorherigen Bände der Oxen-Reihe kennen oder zumindest die Grundkonstellation (Oxen, Franck, Mossman, Danehof) nicht scheuen. Wer "Der Schwarm" von Frank Schätzing für seine gesellschaftskritische Breite oder die Millennium-Trilogie für die Mischung aus Verschwörung und persönlichem Drama mochte, wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Eher nichts für: Leser, die Standalone-Thriller ohne Vorkenntnisse bevorzugen oder solche, die schnelle Action ohne längere innere Monologe und politische Exkurse suchen – das Buch nimmt sich Zeit für die Figuren und die Hintergründe, was manche als zäh empfinden könnten. Auch wer leichtere Kost oder reinrassige Action ohne emotionale Tiefe mag, könnte enttäuscht sein.









