Steve Cavanagh: "Kill for Me" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Originaltitel: Kill for Me, Kill for You
Autor: Steve Cavanagh, irischer Rechtsanwalt und Schriftsteller
"Kill for Me" ist ein scharfsinniger, Hitchcock-inspirierter Psychothriller über die tödliche Verlockung perfekter Rache, der durch clevere Perspektivwechsel und echte moralische Grauzonen glänzt.
Worum geht’s?
Im Kern dreht sich alles um die verführerische Illusion, dass perfekte Rache möglich ist – wenn man nur den richtigen Deal eingeht. Zwei Frauen, die durch unfassbaren Verlust gebrochen sind, treffen sich zufällig und entdecken, dass sie beide einen Menschen töten wollen, der ihr Leben zerstört hat. Statt selbst Hand anzulegen, schmieden sie einen Pakt: Du tötest meinen Feind, ich töte deinen – mit perfekten Alibis und null Verbindung zueinander.
Ein Moment, der die ganze zerbrechliche Konstruktion einfängt: Eine der Frauen sitzt allein in ihrer Wohnung, starrt auf ihr Handy und wartet auf die eine Nachricht – die Bestätigung, dass der Deal eingehalten wurde –, während die Stille im Raum lauter wird als jeder Schrei. Dieser stille, quälende Wartemoment macht spürbar, wie dünn die Linie zwischen Kontrolle und totalem Kontrollverlust ist, sobald man das eigene Schicksal in fremde Hände legt.
Warum lesen?
Als Leser, der Cavanaghs Eddie-Flynn-Serie liebt und seine Standalones mit Spannung erwartet, ist "Kill for Me" für mich der Roman, in dem er am konsequentesten den Hitchcock’schen Geist (Strangers on a Train) modernisiert, ohne je in die Falle der bloßen Nachahmung zu tappen. Das Buch löst das Problem vieler Rache-Thriller – die moralische Eindeutigkeit – indem es zeigt, wie schnell die Grenzen zwischen Opfer, Täter und Manipulator verschwimmen können.
Es hinterlässt ein Gefühl gemischter Erleichterung und Unbehagen: Man ist fasziniert von der Intelligenz der Figuren, aber gleichzeitig beunruhigt darüber, wie leicht man selbst in so eine Spirale geraten könnte. Der konkrete Mehrwert liegt in Cavanaghs Fähigkeit, multiple Perspektiven (inklusive einer dritten, scheinbar unverbundenen Erzählerin) so zu verweben, dass der Leser ständig gezwungen ist, seine Annahmen zu revidieren – ohne dass es gimmickhaft wirkt. Der Schreibstil ist knapp, dialogstark und psychologisch scharf, was den Roman trotz der hohen Twists nie überladen wirken lässt.
Ideal für: Leser, die intelligente, character-driven Psychothriller mit moralischen Grauzonen und mehreren Wendungen schätzen. Wer "Strangers on a Train" (Hitchcock/Patricia Highsmith) mochte, aber eine moderne, weiblich dominierte Variante sucht, oder Fans von Gillian Flynn (Gone Girl) und Alex Michaelides (The Silent Patient), die Wert auf clevere Struktur und emotionale Tiefe legen, wird hier genau richtig sein.
Eher nichts für: Leser, die reine Action-Thriller ohne längere innere Monologe und Perspektivwechsel wollen, oder solche, die sensible Themen wie Kinderverlust, Rachefantasien und Gewalt gegen Frauen meiden – das Buch nimmt diese Themen ernst und beschönigt nichts. Auch wer Romane ohne jede Grauzone oder moralische Ambiguität bevorzugt, könnte frustriert sein.









