Bodo Kirchhoff: "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Autor: Bodo Kirchhoff, deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor
Ein sprachlich brillanter Roman über das späte Werben um die eigene Ehefrau, der das bittere Scheitern und die späten Momente der Freiheit in Indien mit beeindruckender psychologischer Tiefe einfängt.
Worum geht’s?
Bodo Kirchhoff präsentiert im Februar 2026 einen opulenten Altersroman über das langsame Auseinanderbrechen einer 50-jährigen Ehe. Vigo Goll, ein ehemaliger Friedensforscher, flieht nach Indien. Seine Frau Terese, eine Therapeutin, reist ihm nach – nicht aus purer Liebe, sondern aus einer Mischung aus Wut und Pflichtgefühl. Vigo beginnt schließlich, einen Roman aus der Sicht seiner Frau zu schreiben, um sie (und sich selbst) wiederzufinden. Ein zentrales Motiv ist das Unvermögen, im Alter noch einmal neu anzufangen, während die eigene Tochter sich ausgerechnet in einen Soldaten verliebt.
Warum lesen?
Ich empfehle diesen Roman für Kirchhoffs gnadenlose Ehrlichkeit. Er beschreibt das "Sich-Abfinden" mit dem Partner so präzise, dass es beim Lesen fast wehtut. Es gibt eine Szene, in der ein letzter Annäherungsversuch im Bett kläglich scheitert – das ist so unsentimental und fernab von jedem Kitsch geschrieben, wie man es selten liest. Kirchhoff zeigt hier seine ganze Meisterschaft darin, das Banale des Ehealltags mit großer Lebensweisheit zu verknüpfen. Es ist ein Buch über das Scheitern, das aber seltsamerweise eine große innere Freiheit verströmt.
Ideal für: Leser, die psychologisch tiefschürfende Beziehungsstudien mögen und keine Angst vor Melancholie und der Auseinandersetzung mit dem Älterwerden haben.
Eher nichts für: Jüngere Leser, die Action oder eine romantische Liebesgeschichte suchen. Der Fokus liegt sehr stark auf der männlichen Innenperspektive, was manch einer als etwas zu "verkopft" empfinden könnte.









