Julian Barnes: "Abschied(e)" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Originaltitel: Departures
Autor: Julian Barnes, britischer Schriftsteller
Ein meisterhaftes, teils autobiografisches Werk über die Kunst des Loslassens, das durch Barnes’ unnachahmliche Mischung aus Melancholie und intellektuellem Scharfsinn besticht.
Worum geht’s?
Julian Barnes liefert mit "Abschied(e)" keinen klassischen Kurzgeschichtenband, sondern ein tief persönliches Hybrid-Werk aus Fiktion und essayistischen Reflexionen. Im Mittelpunkt steht das Unvermögen, dem Tod und dem Verschwinden mit Logik zu begegnen. Barnes schreibt über das Ende langer Ehen, das Verstummen von Freunden und – sehr zentral – über die Unzuverlässigkeit unserer eigenen Trauer. In einer der stärksten Passagen beschreibt er, wie wir versuchen, Verstorbene durch das Festhalten an Objekten "am Leben" zu erhalten, nur um festzustellen, dass die Dinge uns überdauern, während das Wesen des geliebten Menschen unaufhaltsam verblasst.
Warum lesen?
Ich empfehle dieses Buch für seine radikale intellektuelle Ehrlichkeit. Barnes verzichtet auf jeden religiösen oder esoterischen Trost. Stattdessen nutzt er seinen typisch britischen, trockenen Humor, um die Absurdität des Alterns und Sterbens zu beleuchten. Was mich besonders bewegt hat, ist sein Blick auf die "Nachzeit": Was bleibt von einem Leben übrig, wenn die Augenzeugen verschwinden? Barnes’ Sätze sind wie geschliffene Diamanten – klar, hart und von zeitloser Schönheit. Er beweist hier erneut, dass er einer der wenigen Autoren ist, die über das Nichts schreiben können, ohne den Leser im Nichts zurückzulassen.
Ideal für: Leser, die philosophische Tiefe und einen eleganten, distanzierten Schreibstil schätzen. Wer Barnes’ "Lebensstufen" mochte, wird dieses Werk als konsequente Weiterführung empfinden.
Eher nichts für: Leser, die eine handlungsgetriebene Story oder emotionale Überwältigung suchen. Barnes bleibt stets der Beobachter – wer Wärme und tröstende Sentimentalität sucht, wird hier eher eine kühle Klarheit finden.









