Leila Slimani: "Trag das Feuer weiter" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Originaltitel: J’EMPORTERAI LE FEU
Autorin: Leïla Slimani, französisch-marokkanische Schriftstellerin und Journalistin
Ein gewaltiges Finale, das die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg vollendet und dabei ein tiefschürfendes Porträt des modernen Marokkos zwischen Tradition und schmerzhaftem Aufbruch zeichnet.
Worum geht’s?
Mit diesem Roman schließt Leïla Slimani ihre große Marokko-Saga ("Das Land der Anderen") ab. Wir befinden uns nun in den 1980er und 90er Jahren sowie in der Gegenwart. Im Zentrum steht Mia, die Enkelin von Mathilde und Amine, die als Schriftstellerin in Paris lebt, aber immer wieder in die marokkanische Heimat zurückkehrt. Der Roman schildert den schmerzhaften Übergang Marokkos in die Moderne: Während die Eliten in Rabat zwischen westlichem Lebensstil und Tradition schwanken, braut sich im Hintergrund der politische Islamismus zusammen. Ein zentraler Moment des Buches ist die Rückkehr auf den Familienbauernhof, der einst ein Symbol des Aufbruchs war und nun zum Schauplatz für die Entfremdung zwischen den Generationen wird.
Warum lesen?
Ich empfehle diesen Abschluss der Trilogie, weil Slimani meisterhaft zeigt, wie sich das "Feuer" der Freiheit von einer Generation auf die nächste überträgt – und wo es erlischt. Es ist kein nostalgischer Rückblick, sondern eine messerscharfe Analyse von Privilegien und Enttäuschungen. Besonders die Figur der Nora hat mich beeindruckt: Ihr Blick als "Heimkehrerin" auf die Doppelmoral der marokkanischen Gesellschaft ist schonungslos und doch voller Liebe. Slimani schreibt hier über das Ende von Träumen, ohne dabei die Hoffnung ganz aufzugeben. Wer die ersten beiden Bände gelesen hat, findet hier die notwendige, wenn auch bittere Antwort auf die Frage, was aus Mathildes Mut geworden ist.
Ideal für: Leser von epischen Familiensagas, die historische Genauigkeit und eine starke weibliche Perspektive schätzen. Wer sich für die komplexe Identität zwischen Nordafrika und Europa interessiert, findet hier eines der wichtigsten Bücher des Jahres 2026.
Eher nichts für: Leser, die eine leichte Wohlfühl-Geschichte suchen. Slimani spart nicht an gesellschaftlichen Härten und zeigt die oft deprimierende Realität politischer und persönlicher Unfreiheit.









