Liz Moore: "Der andere Arthur" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Originaltitel: Heft
Autorin: Liz Moore, US-amerikanische Schriftstellerin
"Der andere Arthur" ist ein tief bewegender, empathischer Roman über zwei verlorene Seelen in Brooklyn, der zeigt, dass Rettung oft dort wartet, wo man sie am wenigsten vermutet: in der Verbindung zu einem völlig Fremden.
Worum geht’s?
In "Der andere Arthur" führt uns Liz Moore in ein Haus in Brooklyn, das seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen wurde. Dort lebt Arthur Opp, ein ehemaliger Literaturprofessor, der sich hinter 250 Kilo Körpergewicht und Bergen von Büchern isoliert hat. Parallel dazu lernen wir den 17-jährigen Kel kennen, der in einem völlig anderen Amerika ums Überleben kämpft: Er hofft auf ein Sportstipendium, während er seine alkoholkranke Mutter pflegt.
Ein zentraler, fast schmerzhafter "Aha-Moment" des Buches ist der Moment, in dem Kel eine alte Verbindung seiner Mutter entdeckt: Sie war einst Arthurs Studentin. Als sie sich nach Jahren der Stille an Arthur wendet, prallen diese zwei extrem unterschiedlichen Welten der Einsamkeit aufeinander. Es geht nicht um einen Thriller-Plot, sondern um die Frage, wie zwei Menschen, die eigentlich schon aufgegeben haben, durch die Verantwortung für den jeweils anderen plötzlich wieder einen Grund finden, die Tür zur Welt einen Spalt weit zu öffnen.
Warum lesen?
Ich empfehle diesen Roman, weil Liz Moore die Gabe hat, über extreme Charaktere zu schreiben, ohne sie jemals bloßzustellen oder ins Lächerliche zu ziehen. Arthur Opp könnte in einem schlechteren Buch eine Karikatur sein, aber Moore verleiht ihm eine Würde und eine intellektuelle Brillanz, die mich tief berührt hat. Besonders beeindruckend ist die Dualität des Buches: Es ist einerseits eine bittere Milieustudie über Sucht und Armut (durch Kels Augen) und andererseits eine zärtliche Geschichte über die heilende Kraft von Literatur und Fürsorge. Wer "Long Bright River" mochte, wird auch hier diese dichte, empathische Atmosphäre finden, die Moore so meisterhaft beherrscht.
Ideal für: Leser, die charaktergetriebene Romane mit viel Herzblut und sozialkritischem Unterton lieben. Wer Geschichten über ungewöhnliche Freundschaften und die Überwindung von Einsamkeit mag (ähnlich wie in "A Man Called Ove", aber deutlich literarischer und düsterer), wird dieses Buch verschlingen.
Eher nichts für: Leser, die ein schnelles Erzähltempo oder einen klassischen Plot-Twist-Roman suchen. Die Geschichte entwickelt sich langsam und lebt von den feinen Beobachtungen und der inneren Entwicklung der Figuren. Wer eine Abneigung gegen Themen wie Adipositas oder Alkoholsucht hat, könnte die Lektüre als belastend empfinden.









