Navid Kermani: "Sommer 24" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Autor: Navid Kermani, deutscher Schriftsteller, Reporter, Essayist und habilitierter Orientalist
Ein leuchtendes, kluges Zeitzeugnis, das die flüchtige Intensität eines Sommers nutzt, um über den Zustand Europas und die Zerbrechlichkeit unseres Glücks nachzudenken.
Worum geht’s?
Nach seinem großen Erfolg "Das Alphabet bis Heute" kehrt Navid Kermani im Jahr 2026 mit einem sehr persönlichen, fast schon dokumentarischen Roman zurück. "Sommer 24" fängt die nervöse, aufgeladene Stimmung eines einzigen Sommers ein. Der Erzähler – unverkennbar Kermanis Alter Ego – reist durch ein Europa, das sich zwischen Kriegsangst, Klimawandel und einer seltsamen, fast trotzigen Lebenslust bewegt. Ein zentraler "Aha-Moment" ist die Beschreibung einer Reise in den Osten des Kontinents, bei der die vermeintliche Sicherheit des Westens wie ein dünner Firnis wirkt. Es geht um die Frage, wie man angesichts der Weltlage noch ein guter Vater, ein liebender Partner und ein aufmerksamer Beobachter bleiben kann.
Warum lesen?
Ich empfehle dieses Buch, weil Kermani wie kein zweiter die Brücke zwischen politischer Analyse und tiefster Spiritualität schlägt. "Sommer 24" fühlt sich an wie ein langes Gespräch mit einem sehr klugen Freund, der die Welt nicht schönt, aber ihre Schönheit trotzdem verteidigt. Besonders beeindruckend ist die Sprachgewalt: Kermani beschreibt eine einfache Zugfahrt so, dass sie zur existenziellen Grenzerfahrung wird. Man liest dieses Buch nicht nur, um die Gegenwart zu verstehen, sondern um sich in ihr weniger allein zu fühlen. Es ist ein Buch der Stunde, das das Ephemere (das Flüchtige) eines Sommers mit den ganz großen Menschheitsfragen verknüpft.
Ideal für: Leser, die Kermanis Essays schätzen und anspruchsvolle Literatur suchen, die Zeitdiagnose und persönliche Beichte miteinander verbindet. Wer autofiktionale Texte mit intellektuellem Tiefgang mag, wird dieses Buch lieben.
Eher nichts für: Leser, die eine abgeschlossene, fiktive Handlung mit klassischem Spannungsbogen suchen. Das Buch ist fragmentarisch und lebt von Reflexionen, nicht von Action.









