Pascal Mercier: "Der Fluss der Zeit" – Rezension
Sie sind hier: Startseite » Bücher » Top Romane 2026 » Pascal Mercier: Der Fluss der Zeit
Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Autor: Pascal Mercier (Pseudonym von Peter Bieri), Schweizer Philosoph
"Der Fluss der Zeit" ist ein melancholisches, kluges Abschiedswerk, das in fünf stillen Geschichten die Subjektivität unserer Lebenszeit auslotet – perfekt für Leser mit einem Faible für philosophische Prosa.
Worum geht’s?
Nach dem Tod von Peter Bieri (bekannt als Pascal Mercier) im Jahr 2023 ist dieser posthum erschienene Erzählband im Januar 2026 zu einem wehmütigen Abschiedsgruß geworden. In fünf philosophischen Miniaturen erkundet Mercier die Flüchtigkeit der Zeit. Wir begleiten etwa einen Mann, der nach vier Jahrzehnten in seine alte Studentenwohnung zurückkehrt, oder einen anderen, der in quälender Stille auf ein Biopsie-Ergebnis wartet. Das Buch verzichtet auf die große Dramatik eines "Nachtzug nach Lissabon" und konzentriert sich stattdessen auf jene Sekundenbruchteile, in denen uns bewusst wird, dass das Leben unwiederbringlich voranschreitet.
Warum lesen?
Wer Merciers philosophische Tiefe liebt, findet hier die Essenz seines Denkens. Ich empfehle das Buch, weil es die seltene Gabe besitzt, den "Lärm" der Welt für ein paar Stunden stummzuschalten. Besonders die Geschichte über das Warten auf den medizinischen Befund hat mich beeindruckt: Kehlmann-artig präzise wird hier seziert, wie sich die Wahrnehmung von Zeit dehnt und zusammenzieht, wenn die eigene Existenz auf dem Spiel steht. Es ist kein Buch für zwischendurch, sondern eines für die Momente, in denen man bereit ist, sich den eigenen großen Fragen zu stellen.
Ideal für: Leser, die leise, nachdenkliche Literatur und philosophische Alltagsbeobachtungen schätzen. Wer Merciers früheren Werke mochte, wird auch diese Miniaturen als wertvolles Vermächtnis empfinden.
Eher nichts für: Menschen, die eine spannungsgeladene Handlung oder komplexe Roman-Konstruktionen suchen. Die Erzählungen sind eher statisch und kreisen stark um die Innenwelt der (meist männlichen) Protagonisten.









