Rachel Khong: "Real Americans" – Rezension
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Zuletzt aktualisiert am 27. Februar 2026 • Von Marcel Behling
Autorin: Rachel Khong, US-amerikanische Schriftstellerin
Ein vielschichtiger Generationenroman über die Suche nach Identität zwischen zwei Kulturen, der die Frage aufwirft, ob wir unser Schicksal wirklich selbst bestimmen oder ob es längst in unseren Genen und unserer Herkunft festgeschrieben steht.
Worum geht’s?
"Real Americans" ist eine Generationensaga, die 1999 in New York beginnt. Lily Chen, eine junge Frau aus einer chinesischen Einwandererfamilie, verliebt sich in Matthew, den Erben eines gigantischen Pharma-Vermögens. Was wie eine moderne Aschenputtel-Geschichte beginnt, wandelt sich zu einer komplexen Untersuchung über Schicksal und Biologie. Die Handlung springt Jahre später zu Lilys Sohn Nick, der ohne seinen Vater aufwächst und beginnt, seine eigene Herkunft zu hinterfragen. Der entscheidende Wendepunkt – und der "Aha-Moment" des Buches – ist die Entdeckung, dass Lilys eigene Mutter, eine brillante Genetikerin in China, Forschungen betrieb, die das Leben ihrer Nachkommen auf eine Weise beeinflussten, die weit über Erziehung hinausgeht und Fragen nach Kontrolle über Gene und Identität aufwirft.
Warum lesen?
Ich empfehle diesen Roman, weil Rachel Khong die schwierige Balance zwischen einer packenden Familiengeschichte und ethischen Grenzgängen meistert. Das Buch stellt die unbequeme Frage: Wenn wir unsere Kinder "perfekt" machen könnten – hätten sie dann noch eine eigene Identität? Besonders beeindruckend ist, wie Khong das Thema "Privileg" behandelt. Matthew und seine Familie glauben, sie könnten alles kontrollieren, sogar die Biologie, während Lily versucht, ihre Wurzeln in einer Welt zu bewahren, die Assimilation fordert. Es ist ein kluger, oft schmerzhafter Blick darauf, was es bedeutet, in Amerika (oder dem Westen generell) "dazuzugehören".
Ideal für: Leser, die große, emotionale Familiensagas wie die von Min Jin Lee ("Pachinko") oder Celeste Ng lieben. Wer sich für das Spannungsfeld zwischen Ethik, Wissenschaft und persönlichem Glück interessiert, wird hier hervorragend bedient.
Eher nichts für: Leser, die einen reinen Science-Fiction-Thriller erwarten. Obwohl Genetik eine Rolle spielt, bleibt das Buch ein literarischer Roman, der sich mehr für Gefühle und soziale Strukturen als für technische Details interessiert. Wer eine schnelle, geradlinige Romanze sucht, wird durch die Zeitsprünge und die moralische Schwere eventuell herausgefordert.









