"Die Riesinnen" von Hannah Häffner: Das Lieblingsbuch der Buchhändler 2026
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Zuletzt aktualisiert am 19. Oktober 2026 • Von Marcel Behling
Der Literaturpreis "Lieblingsbuch der Unabhängigen" zeichnet Romane aus, die unabhängige Buchhändlerinnen und Buchhändler besonders schätzen und ihren Kunden gerne empfehlen. 2026 geht die Auszeichnung an Hannah Häffners Die Riesinnen.
Der im Schwarzwald angesiedelte Familienroman erzählt über drei Generationen hinweg von einer außergewöhnlichen Mutter-Tochter-Geschichte, vom Wunsch nach Freiheit und der Frage, was Heimat bedeutet. Eine Empfehlung für Leserinnen und Leser, die literarisch anspruchsvolle Familiengeschichten, starke Frauenfiguren und atmosphärische Landschaftsbeschreibungen schätzen.
"Die Riesinnen": Der Buchtipp 2026 für die Buchhändler
- Hannah Häffner - Von der Werbetexterin zur Romanautorin
- Diese fünf Romane standen 2026 auf der Shortlist
- "Die Riesinnen": Ein Familienroman über drei Generationen
- Liese, Cora und Eva: drei Frauen, drei Lebenswege
- Heimat zwischen Geborgenheit und Enge
- Was macht "Die Riesinnen" lesenswert?
- Für wen eignet sich "Die Riesinnen" besonders?
- Welche Romane könnten ebenfalls gefallen?
- Fazit: Ein Buchhändlerliebling mit literarischer Substanz
Hannah Häffner - Von der Werbetexterin zur Romanautorin
Hannah Häffner wurde 1985 in Heidelberg geboren. Nach einem Studium der Politikwissenschaften arbeitete sie als Werbetexterin und widmete sich parallel zunehmend dem Schreiben. Heute lebt sie mit ihrer Familie als freie Texterin und Schriftstellerin in der Nähe von Stuttgart.
Vor Die Riesinnen veröffentlichte sie bereits Kriminalromane, darunter Nordsee-Nacht, Nebelküste und Dunkle See. Mit dem 2026 im Penguin Verlag erschienenen Roman richtet sie den Blick stärker auf die literarische Gestaltung von Familienbeziehungen, Heimat und weiblicher Selbstbestimmung.
Die Riesinnen ist als gebundene Ausgabe mit 416 Seiten erschienen. Der Erscheinungstermin war der 25. Februar 2026, die ISBN lautet 978-3-328-60433-4.
Was ist das "Lieblingsbuch der Unabhängigen"?
Nicht jeder Literaturpreis wird von einer Fachjury aus Literaturkritikern, Wissenschaftlern oder Verlagsvertretern vergeben. Beim "Lieblingsbuch der Unabhängigen" entscheiden diejenigen, die Bücher täglich lesen, auswählen und ihren Kunden ans Herz legen: die Buchhändlerinnen und Buchhändler des unabhängigen Buchhandels.
Die Auszeichnung wird seit 2015 vergeben und ist eng mit der Woche unabhängiger Buchhandlungen (WUB) verbunden. Sie würdigt Romane, die sich im Buchhandelsalltag als besondere Entdeckungen erweisen – Bücher, die nicht nur beim Lesen überzeugen, sondern sich auch als persönliche Empfehlungen bewähren.
Das Besondere an diesem Preis ist sein Auswahlverfahren. Die teilnehmenden Buchhandlungen nominieren zunächst ihre Favoriten unter den im jeweiligen Jahr erschienenen Romanen. 2026 konnte jede teilnehmende Buchhandlung zwei Titel vorschlagen. Aus den eingereichten Vorschlägen entsteht anhand der Stimmenverteilung eine Shortlist mit fünf Büchern. In einer zweiten Abstimmungsrunde wählen die Buchhandlungen anschließend ihren Favoriten aus dieser Auswahl.
Der Preis ist damit ein Ausdruck der literarischen Urteilskraft des unabhängigen Buchhandels. Er misst nicht allein die öffentliche Aufmerksamkeit für einen Titel oder dessen Verkaufszahlen, sondern spiegelt wider, welche Bücher Buchhändler selbst begeistern und welche sie besonders gerne weiterempfehlen.
Diese fünf Romane standen 2026 auf der Shortlist
Für die diesjährige Abstimmung wurden aus rund 210 eingereichten Titeln fünf Romane ausgewählt:
Hannah Häffner: Die Riesinnen (Penguin Verlag)
Annika Büsing: Magisch (S. Fischer)
Tanja Kokoska: Guten Morgen, schönes Wetter heute (dtv)
Svenja Leiber: Nelka (Suhrkamp)
Vera Zischke: Pina fällt aus (List)
Bemerkenswert: Alle fünf Finalistinnen sind Autorinnen. Die Auswahl ihrer Werke vereint unterschiedliche literarische Zugänge: von Familien- und Generationengeschichten über gesellschaftliche Außenseiter bis hin zu Fragen nach Zusammenhalt, Verlust und der Bewältigung schwieriger Lebensumstände.
Am 8. Oktober 2026 wurde der Gewinner auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Die Entscheidung fiel auf Hannah Häffners Die Riesinnen.
Damit reiht sich der Roman in eine Liste erfolgreicher Titel ein, zu denen unter anderem Nelio Biedermanns Lázár, Alina Bronskys Pi mal Daumen, Caroline Wahls 22 Bahnen, Bonnie Garmus’ Eine Frage der Chemie und Ewald Arenz’ Der große Sommer gehören. Eine Übersicht aller Siegertitel und Shortlists von 2015 bis heute finden Sie in meiner Liste der Buchempfehlungen der Buchhändler.
"Die Riesinnen": Ein Familienroman über drei Generationen
Mit Die Riesinnen legt Hannah Häffner einen Roman vor, der sich mit großen Fragen beschäftigt, ohne seine Figuren auf bloße Träger gesellschaftlicher Themen zu reduzieren. Im Mittelpunkt stehen drei Frauen einer Familie, deren Leben im fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos miteinander verbunden ist. Ihre Geschichte reicht von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart.
Die drei Frauen sind groß, dünn und auffällig. Schon durch ihr Äußeres fallen sie aus der Dorfgemeinschaft heraus. Sie passen nicht recht in die Ordnung ihres Umfelds und müssen lernen, mit den Erwartungen anderer ebenso umzugehen wie mit ihren eigenen Wünschen.
Liese, Cora und Eva: drei Frauen, drei Lebenswege
Den Anfang macht Liese Riessberger. Sie führt die Metzgerei der Familie und wirkt nach außen still, entschlossen und unnachgiebig. Doch hinter dieser Härte steht eine Frau, deren Möglichkeiten durch die Verhältnisse und die gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit begrenzt sind. Ihre Geschichte handelt davon, wie eng Heimat und Gefangenschaft miteinander verbunden sein können.
Ihre Tochter Cora geht einen anderen Weg. Sie will ausbrechen, Abstand gewinnen und ein Leben jenseits der Grenzen des Dorfes führen. Doch das Leben verläuft nicht nach Plan. Cora muss erfahren, dass das Weggehen nicht alle Probleme löst und dass eine Rückkehr nicht zwangsläufig eine Niederlage bedeutet.
Die dritte Generation verkörpert Eva, Coras Tochter. Sie ist dem Wald besonders verbunden und muss erst verstehen, welche Bedeutung diese Beziehung für sie hat. Für sie stellt sich die Frage nach Heimat unter anderen Voraussetzungen als für ihre Mutter und Großmutter: Ist ein Ort etwas, dem man entkommen muss, oder kann er auch die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben sein?
Häffner erzählt diese drei Lebensgeschichten nicht als voneinander getrennte Episoden. Vielmehr zeigt sie, wie Erfahrungen, Verletzungen und Sehnsüchte innerhalb einer Familie weiterwirken. Mütter und Töchter können sich voneinander abstoßen und einander dennoch verbunden bleiben. Was die eine als Einschränkung empfindet, kann für die andere zu einem Ausgangspunkt werden.
Heimat zwischen Geborgenheit und Enge
Der Schwarzwald ist in diesem Roman weit mehr als eine Kulisse. Das Dorf Wittenmoos steht für eine Gemeinschaft, in der Traditionen, Erwartungen und soziale Kontrolle den Alltag prägen. Wer nicht in die gewohnten Muster passt, muss mit Ausgrenzung rechnen.
Gleichzeitig ist die Landschaft ein Ort der Ruhe und des Rückzugs. Besonders der Wald wird zu einem Gegenpol zur Enge des Dorflebens. Er bietet den Frauen Schutz und ermöglicht ihnen, eine eigene Beziehung zur Welt zu entwickeln.
Diese doppelte Bedeutung macht den Heimatbegriff des Romans interessant. Heimat kann Halt geben, aber auch festlegen, wer man zu sein hat. Sie kann einen Menschen prägen, ohne ihm deshalb das Recht auf Veränderung zu nehmen.
Häffner verbindet diese Fragen mit dem Verhältnis zwischen den Generationen und mit der Verletzlichkeit der Natur. So entsteht ein Familienroman, der über individuelle Lebensgeschichten hinausweist, ohne seine Figuren aus dem Blick zu verlieren.
Was macht "Die Riesinnen" lesenswert?
Der Erfolg des Romans beruht nicht allein auf seinem zugänglichen Thema. Gerade die Verbindung aus einer generationenübergreifenden Familiengeschichte, eigenwilligen Figuren und einer atmosphärisch gestalteten Landschaft erklärt, weshalb das Buch sowohl bei Buchhändlern als auch in der Literaturkritik auf Interesse stößt.
1. Drei eigenständige Frauenfiguren statt austauschbarer Heldinnen
Eine der Stärken des Romans ist die unterschiedliche Gestaltung seiner drei Hauptfiguren. Liese, Cora und Eva stehen zwar in einer familiären Beziehung, unterscheiden sich aber in ihren Lebensbedingungen, ihren Entscheidungen und ihren Vorstellungen von Freiheit.
Ihre Geschichten zeigen, dass Selbstbestimmung nicht für jede Generation dasselbe bedeutet. Was für die eine kaum erreichbar scheint, kann für die andere zur realistischen Möglichkeit werden. Die Frauen sind dabei keine makellosen Vorbilder. Sie haben Schwächen, machen Fehler und müssen mit den Folgen ihrer Entscheidungen leben.
Gerade diese Eigenständigkeit macht die Figuren interessant. Die familiäre Verbundenheit wird nicht als bedingungslose Harmonie dargestellt, sondern als Beziehung, die Konflikte aushalten muss.
2. Eine Sprache, die den Schwarzwald spürbar macht
Die Landschaft ist eine der prägenden Kräfte des Romans. Häffner beschreibt Wälder, Bäume und die besondere Atmosphäre des Schwarzwalds so, dass der Schauplatz eine eigene Präsenz erhält. Die Natur dient nicht bloß dazu, Stimmungen zu illustrieren. Sie bildet einen Raum, in dem die Figuren ihre Erfahrungen verarbeiten und ihre Beziehung zu sich selbst verändern können.
"SWR Kultur" hob bereits in seiner Besprechung vom Februar 2026 besonders die sprachliche Qualität des Romans hervor. Auch die "ZEIT" würdigte Häffners Umgang mit Heimat, Freiheit und den Wurzeln ihrer Figuren. Die Literaturkritik nahm dabei insbesondere die dichte Naturmetaphorik und die Verbindung von Landschaft und weiblicher Selbstbestimmung wahr.
Die Sprache ist stellenweise poetisch und bildreich. Wer Romane schätzt, in denen Landschaften nicht nur beschrieben werden, sondern eine eigene erzählerische Bedeutung erhalten, dürfte an dieser Gestaltung Gefallen finden.
3. Ein differenzierter Blick auf Heimat und Selbstbestimmung
Häffner vermeidet eine einfache Antwort auf die Frage, ob man bleiben oder gehen sollte. Das Fortgehen verspricht Freiheit, bringt aber nicht automatisch Erfüllung. Umgekehrt bedeutet die Rückkehr an einen vertrauten Ort nicht zwangsläufig, dass jemand gescheitert ist.
Die drei Generationen machen unterschiedliche Erfahrungen mit dieser Spannung. Dadurch gewinnt der Roman eine zusätzliche Dimension: Er erzählt nicht nur davon, wie gesellschaftliche Verhältnisse Menschen einschränken, sondern auch davon, wie sich der eigene Blick auf Herkunft und Zugehörigkeit im Laufe eines Lebens verändern kann.
Das Thema dürfte besonders Leser ansprechen, die sich für Familiengeschichten interessieren, in denen persönliche Entscheidungen mit gesellschaftlichen Erwartungen kollidieren.
4. Eine positive Resonanz, die auch kritische Nuancen zulässt
Die Reaktionen auf Die Riesinnen fallen insgesamt ausgesprochen positiv aus. Die "ZEIT" charakterisierte den Roman als eine Erneuerung des Heimatromans. "SWR Kultur" lobte vor allem die sprachliche Qualität und die Behandlung existenzieller Fragen wie Unabhängigkeit und Zugehörigkeit.
Auch die Besprechungen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" würdigten die Gestaltung der Frauenfiguren und die Verbindung von Familiengeschichte, Heimat und Natur. Zugleich zeigt die Kritik, dass die poetische Sprache nicht auf jeden Leser gleichermaßen wirken muss: Einzelne Rezensentinnen empfanden manche Passagen als sentimental oder sprachlich weniger überzeugend.
Diese Nuance ist für eine ehrliche Buchempfehlung wichtig. Die Riesinnen ist kein nüchtern erzählter Gesellschaftsroman. Die Bildsprache, die Naturbeschreibungen und die emotionale Intensität gehören zu seinem Konzept. Wer eine zurückhaltende, möglichst sachliche Erzählweise bevorzugt, könnte damit weniger anfangen.
Auch die Leserreaktionen auf Buchplattformen fallen überwiegend begeistert aus. Besonders häufig werden die starken Frauenfiguren, die emotionale Wirkung und die atmosphärische Darstellung der Landschaft hervorgehoben. Solche Rückmeldungen sind zwar subjektiv und nicht repräsentativ für alle Leser, passen aber zu den Schwerpunkten der professionellen Rezensionen.
5. Warum gerade unabhängige Buchhändler den Roman schätzen
Dass Die Riesinnen zum Lieblingsbuch der Unabhängigen gewählt wurde, ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Der Roman verbindet literarische Ambition mit einer Geschichte, deren zentrale Konflikte unmittelbar verständlich sind.
Die Fragen, die er stellt, betreffen viele Menschen: Wie viel prägt uns unsere Herkunft? Wann ist es notwendig, sich von vertrauten Verhältnissen zu lösen? Was schulden wir unserer Familie, und wo beginnt die Verantwortung für das eigene Leben?
Hinzu kommen Figuren, über deren Entscheidungen man nach der Lektüre weiter nachdenken kann, und eine Landschaft, die dem Roman ein unverwechselbares Profil verleiht. Das Buch bietet damit mehr als eine bewegende Handlung: Es schafft Gesprächsanlässe und lässt unterschiedliche persönliche Zugänge zu.
Genau darin liegt eine besondere Stärke einer Buchhändlerempfehlung. Ein Titel muss nicht jeden Leser auf dieselbe Weise begeistern. Er sollte aber genügend Substanz besitzen, um Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Interessen zu erreichen.
Für wen eignet sich "Die Riesinnen" besonders?
Die Riesinnen ist vor allem für Leserinnen und Leser geeignet, die literarische Familienromane mit psychologisch interessanten Figuren und einem ausgeprägten Sinn für Atmosphäre mögen.
Besonders empfehlenswert ist der Roman für:
Liebhaber von Familien- und Generationenromanen: Wer gerne verfolgt, wie sich Lebensentwürfe über mehrere Generationen verändern und wie familiäre Erfahrungen weiterwirken, findet hier eine vielschichtige Geschichte.
Leser, die starke, widersprüchliche Frauenfiguren schätzen: Liese, Cora und Eva sind eigenständige Persönlichkeiten, deren Entscheidungen nicht immer bequem oder eindeutig richtig sind.
Menschen, die sich für Heimat und Herkunft interessieren: Der Roman zeigt, dass Verwurzelung sowohl Halt als auch Einschränkung bedeuten kann.
Freunde einer bildreichen, atmosphärischen Sprache: Die Naturbeschreibungen und die poetische Gestaltung gehören zu den wesentlichen Qualitäten des Buches.
Leser anspruchsvoller Gegenwartsliteratur: Wer neben einer fesselnden Geschichte auch Themen wie gesellschaftliche Erwartungen, Selbstbestimmung und familiäre Prägungen schätzt, dürfte hier fündig werden.
Weniger geeignet ist das Buch für Leser, die vor allem rasante Handlung, starke äußere Spannung oder eine klar aufgelöste Konfliktstruktur suchen. Die Dynamik entsteht vor allem aus den Beziehungen der Figuren, ihren inneren Auseinandersetzungen und den Veränderungen über die Jahrzehnte hinweg.
Welche Romane könnten ebenfalls gefallen?
Wer Die Riesinnen mag, findet auch bei anderen deutschsprachigen Autorinnen interessante Anschlussmöglichkeiten. Die folgenden Empfehlungen sind keine inhaltlich identischen Bücher, teilen aber einzelne thematische oder stilistische Interessen.
Dörte Hansen: Altes Land - Hansen erzählt von Herkunft, Entwurzelung und dem schwierigen Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Wie bei Häffner spielt die Landschaft eine prägende Rolle, während familiäre Beziehungen von unausgesprochenen Konflikten und unterschiedlichen Lebensentwürfen bestimmt werden. Eine gute Wahl für Leser, die sich für Heimat jenseits romantischer Verklärung interessieren.
Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt - Wolffs Roman verbindet Familiengeschichte, Erinnerung und die Frage nach Zugehörigkeit über mehrere Generationen hinweg. Die Erzählweise ist poetisch und feinfühlig, der Blick auf Herkunft und Identität vielschichtig. Besonders geeignet für Leser, die an literarischer Sprache und den leisen Verbindungen zwischen individuellen Lebensgeschichten Gefallen finden.
Caroline Wahl: 22 Bahnen - Wahls Roman erzählt von zwei Schwestern, familiärer Verantwortung und dem Wunsch, sich aus schwierigen Lebensverhältnissen zu befreien. Die Perspektive ist unmittelbarer und die Erzählweise stärker auf die Gegenwart ausgerichtet als bei Häffner. Dennoch verbindet beide Bücher das Interesse an weiblichen Lebenswegen und an der Frage, wie Menschen trotz belastender Umstände ihren eigenen Weg finden.
Ewald Arenz: Der große Sommer - Arenz erzählt vom Erwachsenwerden, von prägenden Begegnungen und den Erfahrungen, die einen Menschen verändern. Der Roman ist stärker auf einen einzelnen Lebensabschnitt konzentriert, teilt mit „Die Riesinnen“ aber das Interesse an Erinnerungen, Herkunft und den Wendepunkten eines Lebens.
Diese Vergleiche zeigen, dass Die Riesinnen Leser mit unterschiedlichen literarischen Vorlieben erreichen kann. Wer vor allem die Familiengeschichte schätzt, dürfte bei Hansen oder Wolff fündig werden. Wer stärker an weiblicher Selbstbehauptung und familiären Konflikten interessiert ist, könnte auch zu Caroline Wahl greifen.
Fazit: Ein Buchhändlerliebling mit literarischer Substanz
Mit Die Riesinnen hat der unabhängige Buchhandel 2026 einen Roman ausgezeichnet, der eine zugängliche Familiengeschichte mit anspruchsvollen Fragen nach Freiheit, Herkunft und Zugehörigkeit verbindet.
Hannah Häffner erzählt von drei Frauen, deren Leben durch ihre familiären Beziehungen und ihre gemeinsame Herkunft geprägt ist, die aber jeweils eigene Antworten auf die Herausforderungen ihrer Zeit finden müssen. Der Schwarzwald wird dabei zu einem wesentlichen Bestandteil der Erzählung: als Ort der Begrenzung, als Zuflucht und als Symbol für die widersprüchliche Kraft der eigenen Wurzeln.
Die Stärke des Romans liegt in seinen eigenständigen Figuren, seiner atmosphärischen Sprache und seinem differenzierten Blick auf Heimat. Nicht jede sprachliche Passage wird jeden Leser gleichermaßen überzeugen. Doch gerade die Verbindung aus emotionaler Geschichte, literarischer Gestaltung und gesellschaftlicher Relevanz macht das Buch zu einer Empfehlung, die über den Augenblick hinaus Bestand haben kann.
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Über den Autor Marcel Behling
Seit 2009 kuratiere ich als Gründer von "Die besten aller Zeiten" (DBAZ) handverlesene Buchempfehlungen auch abseits von Mainstream-Bestsellern. Als passionierter Vielleser mit Fokus auf philosophische Tiefe prüfe ich jedoch nicht nur Neuerscheinungen persönlich auf ihre Substanz, sondern ordne auch zeitlose Klassiker der Weltliteratur und bedeutende Literaturthemen fachlich ein. Mein Ziel ist es, eine fundierte Orientierung in der Welt der Literatur und Philosophie zu bieten. Bei mir zählt die echte Leseerfahrung und die tiefe Auseinandersetzung v.a. mit existenzialistischen Themen.
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