Die besten deutschen Bibelübersetzungen
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Ich bin Christ und habe mich über 20 Jahre lang intensiv mit den biblischen Texten und ihren Auslegungen in den verschiedensten christlichen Denominationen befasst. Momentan arbeite ich auch an einer eigenen Online-Bibel, die künftig neben dem Bibeltext diverse Studienhilfen und persönliche Kommentierungen biblischer Schlüsseltexte bieten soll.
Auf der Grundlage meiner Erfahrungen mit den verschiedenen Übersetzungen der Texte ins Deutsche stelle ich hier nun die aus meiner Sicht besten deutschen Bibelübersetzungen vor. Die Empfehlungen richten sich an Menschen, die auf der Suche nach einer möglichst genauen und zugleich lesbaren deutschen Bibel sind – sei es für das persönliche Bibelstudium, für Lehre, Predigt oder einfach für eine zuverlässige Kenntnis des biblischen Textes.
Dabei ist mir wichtig zu sagen: Die "eine" perfekte Bibelübersetzung gibt es nicht. Jede Übersetzung bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Worttreue, Verständlichkeit und sprachlicher Gestaltung. Dennoch lassen sich Übersetzungen danach beurteilen, wie sorgfältig und nachvollziehbar sie mit dem hebräischen, aramäischen und griechischen Grundtext umgehen und welches Übersetzungsprinzip sie verfolgen.
Meine eigene Präferenz liegt klar bei sehr wörtlichen, textnahen Übersetzungen, weil sie dem Leser möglichst viel vom Aufbau, von Begriffen und Gedankengängen des Urtextes erhalten. Deshalb halte ich die "Elberfelder Bibel (Edition CSV)" für die beste deutsche Bibelübersetzung insgesamt. Ihr folgen weitere Übersetzungen, die – auf unterschiedliche Weise – ebenfalls eine hohe Nähe zum Grundtext anstreben.
Zugleich halte ich es für hilfreich, neben stark strukturtreuen Übersetzungen auch kommunikative Übertragungen zu nutzen, wenn schwierige oder komplexe Stellen besser verstanden werden sollen. Deshalb empfehle ich ergänzend auch eine moderne, gut verständliche Übersetzung wie die "Neue Genfer Übersetzung (NGÜ)".
Die folgenden Empfehlungen sollen eine Orientierung bieten, die jeweils passende Bibelübersetzung für die eigenen Bedürfnisse zu finden – sei es durch höchstmögliche Wörtlichkeit, einen guten Kompromiss zwischen Wörtlichkeit und Verständlichkeit, oder durch erklärender Übertragungen der Texte.
Von Marcel Behling
Exkurs: Textgrundlagen und unterschiedliche Lesarten der Bibel
Wer sich intensiver mit Bibelübersetzungen beschäftigt, stößt früher oder später auf die Frage nach der sogenannten Textgrundlage. Damit ist gemeint, auf welchen hebräischen und griechischen Urtext eine Übersetzung zurückgreift. Für viele Leser ist überraschend, dass es nicht "den einen" einheitlichen Urtext gibt, sondern eine sehr große Zahl alter Handschriften, die sich in einzelnen Wörtern oder Formulierungen geringfügig voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede nennt man Lesarten.
Da die biblischen Bücher über viele Jahrhunderte hinweg per Hand abgeschrieben wurden, haben sich kleine Abweichungen ergeben. Textforscher vergleichen daher tausende Manuskripte miteinander und versuchen, möglichst zuverlässig zu rekonstruieren, wie der ursprüngliche Text lautete. Dabei sind unterschiedliche sogenannte Textgruppen entstanden, die heute bei Bibelübersetzungen verwendet werden.
Für das Neue Testament sind vor allem drei Textgrundlagen wichtig:
1. Der Nestle-Aland-Text (kritischer Text)
Der Nestle-Aland-Text ist heute die international am weitesten verbreitete wissenschaftliche Ausgabe des griechischen Neuen Testaments. Er basiert auf einem textkritischen Vergleich sehr vieler Handschriften, wobei besonders alte und meist kürzere Lesarten bevorzugt werden. Ziel ist es, anhand klarer wissenschaftlicher Kriterien möglichst nahe an den ursprünglichen Wortlaut heranzukommen. Dieser Text wird regelmäßig überarbeitet, wenn neue Handschriften ausgewertet oder Bewertungen angepasst werden.2. Der Textus Receptus
Der Textus Receptus entstand in der frühen Neuzeit (16.–17. Jahrhundert) auf Grundlage der damals verfügbaren griechischen Handschriften. Diese waren zahlenmäßig begrenzt und meist relativ spät entstanden. Dennoch wurde dieser Text über Jahrhunderte hinweg zur Grundlage vieler Bibelübersetzungen und prägte den Protestantismus stark. Er enthält an einigen Stellen Lesarten, die in älteren Handschriften nicht belegt sind, dafür aber lange kirchliche Tradition haben.3. Der byzantinische Mehrheitstext
Der Mehrheitstext stützt sich auf die große Masse der erhaltenen griechischen Handschriften, vor allem aus dem byzantinischen Raum. Das grundlegende Prinzip lautet hier: Die Lesart, die in den meisten Handschriften vorkommt, gilt als die wahrscheinlich ursprüngliche. Dieser Text ähnelt dem Textus Receptus, ist aber nicht identisch mit ihm und beruht auf einer systematischeren Auswertung der Überlieferung.
In den nachfolgend empfohlenen Bibelübersetzungen wird mit diesen Textgrundlagen unterschiedlich umgegangen:
Die Elberfelder Bibel (Edition CSV) sowie die Esra Bibel berücksichtigen alle wichtigen Textgrundlagen. Sie entscheiden sich im Haupttext jeweils für eine bestimmte Lesart, weisen aber in Fußnoten transparent auf abweichende Varianten aus dem Nestle-Aland-Text, dem Textus Receptus oder dem Mehrheitstext hin. Diese Offenheit und Nachvollziehbarkeit halte ich für besonders seriös, weil sie dem Leser ermöglicht, die textkritische Situation selbst nachzuvollziehen.
Die Schlachter 2000 verwendet als Grundlage den Textus Receptus und steht damit bewusst in einer klassischen, reformatorisch geprägten Übersetzungstradition.
Die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) basiert auf dem Nestle-Aland-Text und folgt damit dem heute in der akademischen Bibelwissenschaft üblichen Standard.
Aus meiner Sicht ist der Umgang der Elberfelder Bibel CSV und der Esra Bibel mit den verschiedenen Textgrundlagen besonders überzeugend, weil hier nicht ein einzelner Text absolut gesetzt wird, sondern transparent mit Varianten gearbeitet wird.
Gleichzeitig ist mir wichtig zu betonen, dass die Unterschiede zwischen den Lesarten insgesamt sehr gering sind. Sie betreffen meist einzelne Wörter, Wortstellungen oder kurze Zusätze. Keine einzige christliche Lehre hängt davon ab, welche dieser Textgrundlagen verwendet wird. Die jeweiligen Lehren der Bibel bleiben in allen Fällen völlig gleich.
Wer sich also mit Bibelübersetzungen beschäftigt, sollte die Frage der Textgrundlage ernst nehmen – sie aber auch nicht überbewerten. Sie ist ein interessantes und wichtiges Detail der Überlieferungsgeschichte, aber kein Grund zur Verunsicherung.
Exkurs: Verschiedene Ansätze beim Übersetzen der Bibel
Wer Bibelübersetzungen miteinander vergleicht, merkt schnell, dass sie sich nicht nur im Stil, sondern auch grundsätzlich in ihrem Übersetzungsansatz unterscheiden. Dahinter steht eine zentrale Frage: Was bedeutet es eigentlich, eine Bibel "genau" zu übersetzen?
Aus meiner Sicht gibt es darauf zwei unterschiedliche, jeweils gut begründete Antworten, die zu verschiedenen Arten von Übersetzungen führen.
Ein Teil der Übersetzer versteht Genauigkeit vor allem als möglichst große Nähe zur sprachlichen Struktur des Urtextes. Das bedeutet: Wörter, Satzbau und grammatische Formen des Hebräischen und Griechischen sollen so weit wie möglich ins Deutsche übernommen werden. Ziel ist es, dem Leser möglichst direkt zu zeigen, wie der biblische Text formuliert ist. Auch wenn das Deutsche dadurch manchmal ungewohnt, sperrig oder weniger elegant klingt, gilt diese Nähe zur Ausgangssprache als Ausdruck besonderer Treue zum Text.
Andere Übersetzer verstehen Genauigkeit eher als möglichst präzise Wiedergabe des Sinns, den ein Text ursprünglich vermitteln wollte. Sie fragen weniger danach, wie ein Satz im Grundtext gebaut ist, sondern danach, wie sein Inhalt heute auf gutem, verständlichem Deutsch am besten ausgedrückt werden kann. Dafür werden Satzstellungen verändert, idiomatische Wendungen ersetzt und Formulierungen gewählt, die dem heutigen Sprachgefühl entsprechen.
Beide Ansätze verfolgen also dasselbe Ziel – den biblischen Text korrekt wiederzugeben –, setzen aber an unterschiedlichen Punkten an.
Die Elberfelder Bibel (Edition CSV) und die Esra Bibel gehören klar zur ersten Gruppe. Sie verfolgen einen möglichst strukturtreuen, wörtlichen Übersetzungsansatz, soweit dies im Deutschen sinnvoll möglich ist. Wörter und Satzstrukturen des Grundtextes werden sehr eng nachgebildet, selbst wenn das zu einer anspruchsvolleren oder ungewohnten Sprache führt. Wo eine wörtliche Wiedergabe allein nicht ausreicht oder mehrere Bedeutungen möglich sind, geben beide Übersetzungen in Fußnoten zusätzliche Erläuterungen, alternative Übersetzungsmöglichkeiten oder Hinweise zum Grundtext. Dadurch bleibt der Leser nah am Original und kann zugleich nachvollziehen, wo sprachliche Entscheidungen getroffen wurden.
Die Schlachter 2000 folgt ebenfalls grundsätzlich einem wörtlichen Ansatz, geht dabei aber etwas freier vor. Sie orientiert sich am Grundtext, ist jedoch eher bereit, verständlichere deutsche Wörter und natürlichere Satzstellungen zu wählen, wenn eine allzu strenge Orientierung am Original die Lesbarkeit stark erschweren würde. Dadurch wirkt sie flüssiger und zugänglicher, ohne ihren grundsätzlich textnahen Charakter aufzugeben. In gewisser Weise steht sie zwischen sehr streng wörtlichen und stärker kommunikativen Übersetzungen.
Die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) verfolgt dagegen bewusst einen anderen Weg. Sie ist eine kommunikative Bibelübertragung, bei der die größtmögliche Verständlichkeit im Mittelpunkt steht. Ziel ist es, den Sinn eines Textes so wiederzugeben, dass er im heutigen Deutsch klar, natürlich und unmittelbar verständlich ist. Dafür verwendet die NGÜ die Wörter und Formulierungen, die den gemeinten Inhalt am besten ausdrücken, auch wenn sie nicht wörtlich der Struktur des Grundtextes entsprechen. Sätze werden häufiger umgestellt, gegliedert oder sprachlich erklärt, und an manchen Stellen finden sich auch kurze erläuternde Einschübe, die dem Verständnis dienen.
Aus meiner Sicht ergänzen sich diese unterschiedlichen Ansätze sinnvoll. Sehr wörtliche Übersetzungen helfen, den Aufbau und die Begriffe des Urtextes möglichst genau nachzuvollziehen. Kommunikative Übersetzungen helfen dort weiter, wo der Sinn eines Textes sonst schwer zugänglich bleibt. Deshalb halte ich es für sinnvoll, beide Arten zu kennen – und je nach Fragestellung bewusst zu nutzen.
Elberfelder 2003 - Edition CSV Hückeswagen
Die Elberfelder Bibel in der Edition CSV halte ich insgesamt für die genaueste deutsche Bibelübersetzung. Sie steht in einer langen Übersetzungstradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und entstand damals wie heute aus dem Anspruch heraus, den hebräischen, aramäischen und griechischen Grundtext so wörtlich wie möglich ins Deutsche zu übertragen – ein Anspruch, der sie zu dem Maßstab für textnahe Bibelübersetzungen schlechthin gemacht hat.
Die Elberfelder Bibel Edition CSV ist keine bloße Neuauflage, sondern eine gründliche Überarbeitung dieser klassischen Elberfelder Tradition. Sie verbindet deren außergewöhnliche Worttreue mit einer behutsamen sprachlichen Modernisierung, sodass der Text heute deutlich besser lesbar ist als ältere Fassungen, ohne seinen präzisen Charakter zu verlieren. Gleichzeitig berücksichtigt sie den heutigen wissenschaftlichen Stand der Textforschung: Die unterschiedlichen überlieferten Lesarten des biblischen Textes werden hier sorgfältig ausgewertet, und Entscheidungen werden transparent gemacht.
Ein besonderer Vorzug der Elberfelder Bibel (CSV) liegt darin, dass sie nicht nur eine Textgrundlage einseitig bevorzugt, sondern die verschiedenen maßgeblichen Überlieferungstraditionen einbezieht. Abweichende Lesarten aus dem Nestle-Aland-Text, dem Textus Receptus oder dem byzantinischen Mehrheitstext werden in den Fußnoten kenntlich gemacht. Dadurch erhält der Leser Einblick in die textkritische Situation und kann nachvollziehen, wo und warum unterschiedliche Überlieferungen existieren.
Hinzu kommt, dass die Edition CSV in sprachlicher Hinsicht noch einmal genauer arbeitet als frühere Elberfelder Ausgaben. Heute kennt man die biblischen Ursprachen – insbesondere ihre Grammatik, Semantik und idiomatischen Eigenheiten – deutlich besser als zur Zeit der ersten Übersetzungen im 19. Jahrhundert. Dieses gewachsene sprachwissenschaftliche Wissen fließt in die Überarbeitung ein und führt zu einer nochmals gesteigerten Präzision im Detail.
Sehr hilfreich sind außerdem die zahlreichen Fußnoten, die nicht nur alternative Übersetzungsmöglichkeiten nennen, sondern auch Bedeutungsnuancen erklären oder auf Besonderheiten des Grundtextes hinweisen. Dadurch eignet sich die Elberfelder Bibel (CSV) in besonderer Weise für ein vertieftes, analytisches Bibelstudium und für Leser, die möglichst genau verstehen möchten, was im hebräischen. aramäischen bzw. griechischen Text tatsächlich steht.
Insgesamt bietet die Elberfelder Bibel (Edition CSV) aus meiner Sicht ein nahezu einzigartiges Gesamtpaket: höchste Worttreue, wissenschaftliche Sorgfalt, Transparenz im Umgang mit Lesarten und eine zugleich moderat modernisierte Sprache. Wer wissen möchte, "was wirklich in der Bibel steht", und wer Wert auf eine möglichst präzise Arbeitsgrundlage für ernsthaftes Bibelstudium legt, findet hier eine Übersetzung, die kaum zu übertreffen ist.
Ansehen bei:
Esra Bibel
Die EsraBibel ist eine neue deutsche Bibelübersetzung, die derzeit von Dr. Benedikt Peters erarbeitet wird und deren Gesamtausgabe 2026 erscheinen soll. Bevor die komplette Bibel veröffentlicht wird, sind bereits einzelne Teile – so genannte Logbücher zu einzelnen Bibelbüchern – erhältlich, die sowohl den Text als auch reichlich Platz für eigene Studien enthalten.
Was diese Übersetzung besonders auszeichnet, ist ihr klarer Schwerpunkt auf Sprachgenauigkeit und enge Textnähe zum Urtext. Dr. Peters, der als Theologe sowie Hebraist und Gräzist seit vielen Jahren intensiv mit den biblischen Ursprachen arbeitet, möchte in der EsraBibel die feinsten linguistischen Nuancen der hebräischen und griechischen Ausgangstexte ins Deutsche übertragen. Dabei soll sowohl der Satzbau, die Verwendung von Verben und die semantische Struktur des Originals im deutschen Text sichtbar bleiben, als auch die neuesten Erkenntnisse aus der Gräzistik und Hebraistik berücksichtigt werden.
Ein zentrales Anliegen der EsraBibel ist es, den Leser bei der textlichen Erschließung des Urtextes mitzunehmen. Die Logbücher sind so gestaltet, dass sie viel Raum für persönliche Anmerkungen, Markierungen und textkritische Beobachtungen bieten – mit besonders großem Zeilenabstand und breiten Seitenrändern, in denen Leser eigene Studien notieren können.
Auch hinsichtlich der Fußnoten legt die EsraBibel Wert auf eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Text. In den Anmerkungen finden sich Hinweise auf sprachliche Eigenheiten, unterschiedliche Lesarten und alternative Übersetzungsmöglichkeiten. Dadurch bleiben für den ernsthaften Leser wichtige textkritische Informationen zugänglich, auch wenn der Haupttext selbst eine bestimmte Lesart gewählt hat.
Für mich steht die EsraBibel – ähnlich wie die Elberfelder Bibel – für eine herausragend wörtliche und sprachlich sorgfältige Herangehensweise an die Bibelübersetzung. Sie repräsentiert den heutigen Stand der Erkenntnis in Bezug auf Grammatik, Semantik und stilistische Nuancen der Ursprachen und bringt diese mit großer Sorgfalt ins Deutsche. Gerade Leser, die ein tiefes Verständnis für den Aufbau des biblischen Textes entwickeln möchten oder sich an den feineren Bedeutungsfacetten der Sprache interessieren, finden hier ein äußerst wertvolles Werkzeug.
Die EsraBibel eignet sich damit besonders für ein intensives persönliches Studium, für Lehre und Auslegung – und ergänzt zugleich andere sehr wörtliche Übersetzungen durch einen modernen, auf Genauigkeit orientierten Zugang zum Grundtext.
Ansehen bei:
Schlachter 2000
Die Schlachter Bibel 2000 halte ich für eine der ausgewogensten deutschen Bibelübersetzungen überhaupt. Sie geht auf die ursprüngliche Übersetzung von Franz Eugen Schlachter zurück, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden ist und von Anfang an das Ziel hatte, eine sprachlich würdige, gut verständliche und zugleich textnahe Bibel zu bieten. Die Ausgabe von 2000 stellt eine gründliche Revision dieser Tradition dar und verbindet ihre Stärken mit sprachlicher Überarbeitung und textlicher Präzisierung.
Charakteristisch für die Schlachter 2000 ist ihre gehobene und zugleich gut verständliche Sprache. Sie wirkt würdevoll, ohne altertümlich zu sein, und bleibt auch bei längerer Lektüre angenehm lesbar. Dabei wahrt sie eine hohe Nähe zum biblischen Grundtext, ohne sich so strikt an dessen Struktur zu binden, dass der deutsche Satzbau unnatürlich oder schwer verständlich würde.
Im Unterschied zu sehr streng wörtlichen Übersetzungen ist die Schlachter 2000 bereit, dort etwas freier zu formulieren, wo eine allzu enge Orientierung an der Ausgangssprache den Sinn eher verdunkeln würde. Sie sucht bewusst einen Mittelweg zwischen Genauigkeit und Verständlichkeit. Gerade darin liegt für mich ihre besondere Stärke: Sie bleibt zuverlässig textnah, formuliert aber zugleich so, dass der Gedankengang gut nachvollziehbar bleibt.
Hilfreich sind auch die Abschnittsüberschriften, die eine gute Orientierung im Text ermöglichen und das Lesen größerer Zusammenhänge erleichtern. Ergänzt werden sie durch Fußnoten, die erklärende Hinweise geben, auf sprachliche Besonderheiten aufmerksam machen oder alternative Verständnismöglichkeiten nennen. Dadurch eignet sich die Schlachter 2000 nicht nur für die fortlaufende Lektüre, sondern auch für ein vertieftes Bibelstudium.
Textlich basiert die Schlachter 2000 auf dem Textus Receptus für das Neue Testament und steht damit bewusst in einer klassischen Übersetzungstradition.
Insgesamt sehe ich die Schlachter Bibel 2000 als einen sehr gelungenen Kompromiss: Sie verbindet hohe Genauigkeit mit guter Lesbarkeit, sprachliche Würde mit Verständlichkeit und Treue zum Grundtext mit pädagogischem Feingefühl. Für viele Leser ist sie deshalb eine ausgezeichnete Bibel für den täglichen Gebrauch – sowohl zum Lesen als auch zum Studium.
Ansehen bei:
NGÜ - Neue Genfer Übersetzung
Die Neue Genfer Übersetzung verstehe ich weniger als klassische Bibelübersetzung im engen Sinn, sondern eher als eine kommunikative Bibelübertragung. Ihr Ziel ist es nicht, die Wörter des Grundtextes möglichst genau nachzubilden, sondern dessen Sinn so klar und verständlich wie möglich ins heutige Deutsch zu übertragen. Dafür nimmt sie sich bewusst große Freiheiten in der Formulierung und im Satzbau.
Die Übersetzer der NGÜ orientieren sich daran, wie ein Text in gutem, modernem Deutsch klingen muss, damit seine Aussage unmittelbar verstanden wird. Dazu gehören auch umgestellte Satzkonstruktionen, erläuternde Ergänzungen sowie gelegentlich eingeschobene erklärende Nebensätze, die im Urtext nur implizit vorhanden sind. Diese Zusätze dienen nicht der inhaltlichen Erweiterung, sondern sollen Zusammenhänge verdeutlichen, die für heutige Leser sonst schwer zugänglich wären.
Hilfreich sind außerdem die Zwischenüberschriften, die den Text strukturieren und einen schnellen Überblick über größere Abschnitte ermöglichen. Ergänzt wird dies durch Fußnoten, die auf alternative Übersetzungsmöglichkeiten, unterschiedliche Lesarten oder Hintergrundinformationen hinweisen. Auf diese Weise bleibt auch bei der kommunikativen Ausrichtung eine gewisse Transparenz gegenüber dem zugrunde liegenden Text erhalten.
Textlich basiert die Neue Genfer Übersetzung auf dem Nestle-Aland-Text und folgt damit dem in der heutigen Bibelwissenschaft üblichen kritischen Grundtext. Ihre Stärke liegt jedoch weniger in textkritischer Detailarbeit als in der gelungenen sprachlichen Vermittlung biblischer Inhalte.
Aus meiner Sicht eignet sich die NGÜ besonders gut, um sich schnell und zuverlässig einen verständlichen Überblick über den Inhalt der Bibel zu verschaffen. Sie ist sehr gut lesbar, sprachlich modern und in sich stimmig. Darüber hinaus halte ich sie für eine wertvolle Ergänzung zu stark wörtlichen Übersetzungen: Gerade dort, wo Formulierungen in sehr textnahen Bibeln schwer zugänglich oder mehrdeutig bleiben, kann die NGÜ helfen, den gemeinten Sinn besser zu erfassen.
Als eigenständige Lese- und Verständnishilfe erfüllt die Neue Genfer Übersetzung ihren Zweck hervorragend – nicht als Ersatz für wortgetreue Studienbibeln, sondern als sinnvolle Ergänzung, die den Zugang zum biblischen Text deutlich erleichtert.
Ansehen bei:








