Die 100 besten Romane aller Zeiten - laut "The Guardian"
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Zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2026 • Von Marcel Behling
Welches sind die bedeutendsten Romane der Literaturgeschichte? Die britische Tageszeitung The Guardian hat eine fundamentale Bestenliste veröffentlicht. Basis dafür war eine groß angelegte Umfrage unter mehr als 170 internationalen Literatinnen, Autoren, Kritikerinnen und Literaturwissenschaftlern (darunter prominente Stimmen wie Stephen King, Ian McEwan und Siri Hustvedt). Jedes Jurymitglied reichte dafür eine persönliche Top 10 ein.
Das Auswahlkriterium: Die Liste konzentriert sich auf Romane, die in englischer Sprache erschienen sind (Originale sowie herausragende Übersetzungen).
Die Spitzenreiterin: Platz 1 belegt George Eliots Meisterwerk "Middlemarch" (1871).
Die meistgewählten Stimmen: Die am häufigsten vertretene Autorin ist Virginia Woolf mit fünf Werken, gefolgt von Jane Austen und Charles Dickens mit jeweils vier Romanen.
Deutschsprachige Erfolge: Trotz des Fokus auf den englischsprachigen Raum haben es sieben Werke deutschsprachiger Autoren über ihre Übersetzungen auf die Liste geschafft – darunter Franz Kafka ("Der Prozess", "Die Verwandlung"), Thomas Mann ("Der Zauberberg", "Buddenbrooks") und W. G. Sebald ("Die Ringe des Saturn" und "Austerlitz").
Historische Bandbreite: Das älteste Werk ist Miguel de Cervantes' "Don Quijote" (1605/1615), das jüngste ist "Die Vegetarierin" (2007) der Nobelpreisträgerin Han Kang.
Ein positiver Trend: Der Anteil von Autorinnen wächst stetig. Mit 36 von 100 Werken sind Frauen auf der aktuellen Liste so stark vertreten wie nie zuvor (2015 waren es noch 21, im Jahr 2003 nur 16).
Hinweis zur Methodik: Jede Bestenliste ist subjektiv. Kritiker merken an, dass durch den Fokus auf den englischsprachigen Buchmarkt weltweit viele Klassiker unberücksichtigt blieben (z. B. fehlen Mark Twain oder Leo Tolstois russische Zeitgenossen wie Turgenjew). Zudem nimmt es die Liste mit der Gattung "Roman" nicht ganz streng und führt auch berühmte Novellen wie Kafkas "Die Verwandlung" oder Henry James’ "Die Drehung der Schraube".
Hier nun das Ranking:
Die Guardian-Liste der 100 besten Romane aller Zeiten
1. George Eliot: Middlemarch (1871)
Ein tiefgründiges Gesellschaftsporträt einer englischen Provinzstadt, das die verflochtenen Lebenswege, Liebeswirren und enttäuschten Ideale ihrer Bewohner seziert.2. Toni Morrison: Menschenkind (1987)
Eine traumatisierte ehemalige Sklavin wird in der Nachkriegszeit von den schmerzhaften Erinnerungen und dem wortwörtlichen Geist ihrer Tochter heimgesucht.3. James Joyce: Ulysses (1922)
Ein einziger Tag im Leben dreier Menschen in Dublin, erzählt in einem virtuosen, stilistisch revolutionären inneren Monolog.4. Virginia Woolf: Zum Leuchtturm (1927)
Anhand eines geplanten Familienausflugs spiegelt dieses feinsinnige Werk die inneren Monologe, das Vergehen der Zeit und den Wandel familiärer Beziehungen.5. Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1913-1927)
Ein Erzähler erinnert sich durch unwillkürliche Erinnerung an sein Leben und erkundet dabei die Natur von Zeit, Liebe und Kunst.6. Leo Tolstoi: Anna Karenina (1878)
Die tragische Liebesgeschichte einer verheirateten Aristokratin, die für eine leidenschaftliche Affäre mit einem Grafen gesellschaftlich und psychisch zugrunde geht.7. Leo Tolstoi: Krieg und Frieden (1869)
Ein gewaltiges historisches Epos, das das Schicksal fünf russischer Adelsfamilien vor dem Hintergrund der napoleonischen Kriege meisterhaft verwebt.8. Charlotte Brontë: Jane Eyre (1847)
Eine willensstarke, mittellose Gouvernante kämpft um ihre Unabhängigkeit und verliebt sich in ihren düsteren Arbeitgeber, der ein dunkles Geheimnis hütet.9. Jane Austen: Stolz und Vorurteil (1813)
Die schlagfertige Elizabeth Bennet und der arrogante Mr. Darcy müssen erst ihre eigenen Vorurteile und gesellschaftliche Zwänge überwinden, um zueinander zu finden.10. Gustave Flaubert: Madame Bovary (1856)
Die unglückliche Emma Bovary sucht in Affären und Luxusphantasien Erfüllung und treibt damit ihre Familie in den Ruin.11. F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby (1925)
Der geheimnisvolle Millionär Jay Gatsby versucht, seine verlorene Liebe Daisy inmitten des glitzernden, oberflächlichen Jazz-Age zurückzugewinnen.12. Charles Dickens: Bleak House (1852 - 1853)
Ein monumentales Gesellschaftspanorama um einen erbitterten Erbschaftsprozess, das Korruption, Armut und das englische Justizsystem entlarvt.13. Jane Austen: Emma (1815)
Eine wohlhabende, selbstbewusste junge Frau spielt in ihrer Kleinstadt liebend gerne Amor, stiftet dabei enormes Chaos und übersieht fast ihr eigenes Liebesglück.14. Virginia Woolf: Mrs. Dalloway (1925)
Während Clarissa Dalloway die Vorbereitungen für eine Abendgesellschaft in London trifft, offenbaren die Gedankenströme der Figuren die seelischen Wunden der Nachkriegszeit.15. Herman Melville: Moby-Dick (1851)
Kapitän Ahab jagt obsessiv den weißen Wal, der ihm ein Bein genommen hat – ein episches Abenteuer über Rache, Schicksal und die Natur.16. George Orwell: 1984 (1949)
In einem totalitären Überwachungsstaat versucht ein einfacher Angestellter, sich durch eine verbotene Liebesbeziehung der lückenlosen Gedankenkontrolle des „Großen Bruders“ zu widersetzen.17. Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit (1967)
Das epische, von magischem Realismus durchwobene Schicksal der Familie Buendía spiegelt über sieben Generationen den Aufstieg und unaufhaltsamen Niedergang des isolierten Dorfes Macondo.18. Jane Austen: Anne Elliot (1817)
Die zurückhaltende Anne Elliot bekommt eine zweite Chance auf Liebe, nachdem sie Jahre zuvor den Heiratsantrag des nun erfolgreichen Captain Wentworth abgelehnt hatte.19. Laurence Sterne: Leben und Meinungen von Tristram Shandy Gentleman (1759–1767)
Ein exzentrischer, humorvoller Anti-Roman, der sich in endlosen, geistreichen Abschweifungen verliert, sodass der Erzähler am Ende kaum dazu kommt, überhaupt von seiner Geburt zu berichten.20. Emily Brontë: Sturmhöhe (1847)
Die düstere, zerstörerische Hassliebe zwischen dem Findelkind Heathcliff und der ungestümen Catherine Earnshaw stürzt zwei Generationen im rauen englischen Moor ins Verderben.21. Henry James: Bildnis einer Dame (1881)
Die junge Amerikanerin Isabel Archer sucht in Europa ihr Glück und gerät in die Fänge einer manipulierenden Gesellschaft.22. Chinua Achebe: Alles zerfällt (1958)
Der stolze Krieger Okonkwo muss ohnmächtig mitansehen, wie die traditionelle Lebensweise seines nigerianischen Stammes durch den Einbruch des britischen Kolonialismus und der Missionare unwiderruflich zerbricht.23. Salman Rushdie: Mitternachtskinder (1981)
24. Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrigblieb (1989)
25. Vladimir Nabokov: Lolita (1955)
26. Miguel de Cervantes: Don Quijote (1605/1615)
27. Franz Kafka: Der Prozess (1925)
28. Fjodor Dostojewski: Die Brüder Karamasow (1879 - 1880)
29. Vladimir Nabokov: Fahles Feuer (1962)
30. Mary Shelley: Frankenstein (1818)
31. Muriel Spark: Die Blütezeit der Miss Jean Brodie (1961)
32. Arundhati Roy: Der Gott der kleinen Dinge (1997)
33. Charles Dickens: David Copperfield (1850)
34. Hilary Mantel: Wölfe (2009)
35. Charles Dickens: Große Erwartungen (1861)
36. Margaret Atwood: Der Report der Magd (1985)
37. Ralph Ellison: Der unsichtbare Mann (1952)
38. Edith Wharton: Zeit der Unschuld (1920)
39. Zora Neale Hurston: Vor ihren Augen sahen sie Gott (1937)
40. Toni Morrison: Solomons Lied (1977)
41. Joseph Conrad: Herz der Finsternis (1899)
42. Thomas Mann: Der Zauberberg (1924)
43. Marilynne Robinson: Haus ohne Halt (1980)
44. James Baldwin: Giovannis Zimmer (1956)
45. Doris Lessing: Das goldene Notizbuch (1962)
46. Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Der Leopard (1958)
47. William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit (1848)
48. Franz Kafka: Die Verwandlung (1915)
49. Rohinton Mistry: Das Gleichgewicht der Welt (1995)
50. Jean Rhys: Die weite Sargassosee (1966)
51. Elena Ferrante: Meine geniale Freundin (2011)
52. Henry James: Die Goldene Schale (1904)
53. Shirley Hazzard: Transit der Venus (1980)
54. Virginia Woolf: Orlando (1928)
55. Virginia Woolf: Die Wellen (1931)
56. Jane Austen: Mansfield Park (1814)
57. William Faulkner: Schall und Wahn (1929)
58. J. M. Coetzee: Schande (1999)
59. Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten (2005)
60. E. M. Forster: Wiedersehen in Howards End (1910)
61. W. G. Sebald: Die Ringe des Saturn (1995)
62. Chimamanda Ngozi Adichie: Die Hälfte der Sonne (2006)
63. Zadie Smith: Zähne zeigen (2000)
64. Ford Madox Ford: Die allertraurigste Geschichte (1915)
65. Alice Walker: Die Farbe Lila (1982)
66. Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita (1966 - 1967)
67. Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften (1930–1942)
68. Cormac McCarthy: Die Abendröte im Westen (1985)
69. Fjodor Dostojewski: Verbrechen und Strafe (1866)
70. Thomas Hardy: Jude Fawley, der Unbekannte (1895)
71. Albert Camus: Der Fremde (1942)
72. Octavia Butler: Verbunden (1979)
73. Charles Dickens: Unser gemeinsamer Freund (1864 -1865)
74. W. G. Sebald: Austerlitz (2001)
75. Tsitsi Dangarembga: Aufbrechen (1988)
76. Toni Morrison: Sehr blaue Augen (1970)
77. Bram Stoker: Dracula (1897)
78. Willa Cather: Meine Antonia (1918)
79. D. H. Lawrence: Der Regenbogen (1915)
80. V. S. Naipaul: Ein Haus für Mr. Biswas (1961)
81. James Baldwin: Von dieser Welt (1953)
82. Daphne du Maurier: Rebecca (1938)
83. Thomas Mann: Buddenbrooks (1901)
84. Graham Greene: Das Ende einer Affäre (1951)
85. Ernest Hemingway: In einem anderen Land (1929)
86. Patricia Highsmith: Der talentierte Mr. Ripley (1955)
87. Han Kang: Die Vegetarierin (2007)
88. Henry James: Die Drehung der Schraube (1898)
89. Alan Hollinghurst: Die Schönheitslinie (2004)
90. E. L. Doctorow: Ragtime (1975)
91. Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit (1969)
92. Virginia Woolf: Jacobs Zimmer (1922)
93. Wassili Grossman: Leben und Schicksal (1980)
94. Gustave Flaubert: Lehrjahre der Männlichkeit (1869)
95. Italo Calvino: Die unsichtbaren Städte (1972)
96. Edward P. Jones: Die bekannte Welt (2003)
97. Thomas Hardy: Auf verschlungenen Pfaden (1878)
98. Juan Rulfo: Pedro Páramo (1955)
99. Joseph Heller: Catch 22 (1961)
100. Cormac McCarthy: Die Straße (2006)
Über den Autor Marcel Behling
Seit 2009 kuratiere ich als Gründer von "Die besten aller Zeiten" (DBAZ) handverlesene Buchempfehlungen abseits von Mainstream-Bestsellern. Als passionierter Vielleser mit Fokus auf philosophische Tiefe prüfe ich jedoch nicht nur Neuerscheinungen persönlich auf ihre Substanz, sondern ordne auch zeitlose Klassiker der Weltliteratur und bedeutende Literaturthemen fachlich ein. Mein Ziel ist es, eine fundierte Orientierung in der Welt der Literatur und Philosophie zu bieten. Bei mir zählt die echte Leseerfahrung und die tiefe Auseinandersetzung v.a. mit existenzialistischen Themen.






